Am Ende der Regenbogenbrücke

Cora, ein Abschied für immer  

von E. Gelzleichter

Cora c) E. Gelzleichter
Cora c) E. Gelzleichter

Es war eine kleine, graue altdeutsche Schäferhündin, die vor vielen Jahren in einem Tierheim in Zweibrücken unser Herz erobert hatte und dann bei uns ein neues Zuhause fand.

 

Es gefiel ihr ausnehmend in unserer Mitte, warf sich vor Freude sogar mitten in der Nacht mit „Juhschreien“ in meine Arme, und nach und nach zeigte sich, was in dem etwas unscheinbaren graufelligen Hausgenossen mit etwas schmalen Pfoten wirklich steckte: Das Fell wuchs, entwickelte um den Hals eine braun-beige „Löwenmähne“, eine dunkle „Decke“ auf dem Rücken, einen „Lidstrich“um die ausdrucksstarken Augen und die Pfoten erreichten eine regelrechte Tatzenform, die eine ganze Hand ausfüllen konnte. Drei Jahre war sie, als wir sie heimholten und mit 6 Jahren musste sie an einem Gebärmutterkrebs operiert werden. Aber auch diese Herausforderung hatte sie hervorragend überstanden. Eine vierpfotige Freundin gesellten wir zu ihr – Fay, eine schwarze Labradohündin – kaum dem Welpenalter entronnen, beißfreudig und sehr lebhaft. Aber Cora erzog das kleine Wesen zu einer treuen, freundlichen Hundedame. 10 Jahre lebten sie beide kraftvoll und froh in unserer Mitte, doch dann schlug der heimtückische Krebs wieder zu.... Wieder eine OP, aber dieses Mal verkraftete die nun fast 16-jährige alte Lady die OP nicht mehr so gut, in meinem 6-wöchigen Urlaub kämpfte sie ständig mit einem Kreislaufversagen und ich sah ihren Weg über die Regenbogenbrücke schon vorgezeichnet, die Vernunft sagte ja, aber die Liebe sagte nein – mein Herz schmerzte bei diesen Gedanken...

Doch der Urlaub ging zu Ende, es war der letzte Tag, ein 2. August, ein Sonntag. Mit Sorge sah ich dem nächsten Tag entgegen und ich sprach mit meiner klugen vierpfotigen Freundin darüber: „Was soll ich nur tun, ab morgen kann ich nicht mehr bei Dir sein. Du bist mit Fay alleine, wirst Du Kraft genug für den Tag haben?“ Wir saßen im Garten, Cora lag eng an mich geschmiegt zu meinen Füßen. Ein leichter Wind kam auf, kräuselte die Wellen im Gartenteich, es zog eine ungute Stimmung auf. Plötzlich erhob sich Cora, sah mich lange intensiv an, umschritt den Gartenteich, immer wieder zurückblickend und mich fixierend. Diese Nachricht war eindeutig:“Nein“, sagte ich, „kein Abschied, liebes Mädchen“. Sie legte sich wieder zu mir, dann fielen leise ein paar Tropfen. Es war 15.00 Uhr - wir gingen zurück ins Haus. Um 17.00 brach sie zusammen. Wir riefen die Tierärztin an. Sie bat uns, mit Cora in die Praxis zu kommen, sie war mitten ein einer OP. …

 

Die Ärztin kam in die Einfahrt ihrer Praxis, auf Ihren Wunsch öffneten wir den Deckel zum Kofferraum und legten voller Trauer (der Schmerz schnürte die Kehle zu) unsere geliebte Hundedame auf eine Decke hinein, so dass die Ärztin sie bequem erlösen konnte, sie besah sich die Patientin und sprach aus, was ich dachte: „Es ist besser, dass sie jetzt gehen darf, es ist nun für sie Zeit dafür“. Cora wusste genau, was geschehen würde und dehnte sich ganz entspannt und voller Gelassenheit aus --- sie ging in dieser Gelassenheit über die Regenbogenbrücke....

 

Und wir ….heute noch, nach über 20 Jahren, weine ich immer noch, wenn ich an diesen würdevollen Abschied denke...

 

nb: Fay hat den Verlust ihrer Ziehmutter nicht verkraftet, sie folgte ihr nach 8 Monaten...

 

 

Cora c) E. Gelzleichter
Cora c) E. Gelzleichter