Biene Maja geht es an den Kragen

Ein Naturkrimi

 

Der kleinen, frechen Biene Maja ist das Lachen vergangen: Mörder treiben sich um unter all den vielen Bienenarten, die sie im Laufe ihres fröhlichen Bienenlebens kennengelernt hat. Maja weiß, dass sie zu den Apis mellifera gehört, der Familie der wehrhaften „Westlichen Honigbienen“, die – um ihre Königin geschart – in einem Staat leben, und dass man weltweit etwa 20000 Bienenarten zählt. Maja hat auch erfahren, dass in Europa etwa 700 Bienenarten heimisch sind, 500 davon allein in Deutschland, darunter auch viele solitär lebende Wildbienenarten (wie z.B. Große Wollbiene, Rote Mauerbiene und Hosenbiene), d. h. diese Bienen leben und versorgen alleine, ohne eine Gruppe, ohne ein Staatengebilde - ihre Nachkommenschaft. Hochsoziale Gemeinschaften wie die der Apis mellifera sind unter wenigen Bienenarten zu finden, auch die Bombini (Hummeln) gehören dazu!

 

Maja, eine eifrige Körbchensammlerin – d. h. sie trägt dicke Pollen an ihren „Hosenbeinen“ (Körbchen) auf ihrem Weg von Blüte zu Blüte, und bestäubt beim Nektarsammeln so ganz nebenbei Blüten aller Art - ist ein Teil des gesamten ökologischen Systems und ermöglicht Frucht und Ernte wichtiger Nahrungsmittel, ungezählter Gemüse- und Obstarten. Vieles erlebt und sieht sie in den Gärten, auf Wiesen und Feldern, viel Fröhliches – doch auch Trauriges. Und so hat sie auch den Tod gesehen .... den Tod  vieler Honigträgerinnen und Nektarschlürfer, auch aus den Wespenfamilien, die sich qualvoll zu Tode zappeln oder schon starr auf dem Rücken liegen.  Was ist hier geschehen und weshalb? Es geht ein ängstliches Summen durch den Bienenstock, man unterhält sich flüsternd. Viele Arbeiterinnen zeigen sich total erschöpft bevor sie sterben, haben keinen Orientierungssinn mehr und sind zu schwach zur Verständigung. Einige sind so geschwächt, dass sie von dem Nosema-Pilz oder den gefürchteten Varroa-Milben befallen werden, die ihnen das Blut aussaugen, die Brut kann nicht mehr richtig versorgt werden, ein programmierter vorzeitiger Tod vieler kleiner Bienen, die die Zukunft des Staates sichern sollten und die Nahrung der Menschen; denn etwa 35 % der essbaren Pflanzen sind durch die Bestäubung der Honigbiene angewiesen.

 

wikipedia c) Jon Sullivan
wikipedia c) Jon Sullivan

Maja, die einst so fröhliche, kleine Biene berät sich sorgenvoll mit ihrem besten Freund Willi. Was könnten die Ursachen für dieses entsetzliche Bienensterben sein, das alle Bienenvölker sogar weltweit bedroht, wie es Frau Fama im Flüstern der Natur, im  Wehen von Blättern und Gräsern, verriet.  „Weischt du, Maja“, nuschelt Willi, „isch dir noch nisch aufgefallen, dass auf vielen Feldern, besonders dort, wo der Maisch wächst, es gar keine Kornblumen, Mohn, Hirtentäschel oder Kamille mehr gibt?“ „Stimmt“, meint Maja, „woran kann das liegen?“ „Weisch nisch“, erwidert Willi trübe. Beide versinken in Nachdenklichkeit und grübeln über die Tatsache nach, dass es keine Beikräuter mehr zwischen den Pflanzen auf den Feldern gibt, sogar zwischen vielen der gelben Rapsblüten sind kaum mehr andere blühende Pflanzen zu finden. Ob dies mit dem Tod der Bienen in der Welt zusammenhängt?. Willi schnieft noch „geht es uns jetzt allen an den Kragen?“ da schreckt Maja auf: „Ich hab’s. Es ist die einseitige Ernährung, da bekommt man nicht genug Kraft!“ „Und das Gift mit dem uns die Menschen vergiften, tut ein Übriges dazu“ brummt eine Felsenhummel, die alles mit angehört hat

c) Elke Gelzleichter
c) Elke Gelzleichter

.  „Giiift?“ fragen Maja und Willi ganz gedehnt wie aus einem Munde. „Davon haben wir ja noch gar nichts gehört!“ Die dicke Hummel nascht an einer Kleeblüte, nimmt ein Schlückchen Nektar und fährt weiter in ihrem Bericht:“Pestizide sagen die Menschen dazu, eigentlich sind es hochgefährliche Neonikotinoide, die Schädlingen den Garaus machen sollen, die sich über ihre Ernten hermachen und den Ertrag schmälern.“ Die Felsenhummel nimmt noch einen kräftigen Schluck Nektar und belehrt die beiden erschütterten Bienen, „ihr wisst doch hoffentlich, dass die Honigsammler die drittwichtigsten „Nutztiere“ für die Menschen sind, deswegen wurde es verboten, dass weiterhin so schlimme Nervengifte wie Chlothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam auf die Felder ausgebracht werden, die hauptursächlich für den Massentod vieler Körbchensammler sind. Doch auch Fipronil, Chlorpyrifos, Cypermethrin und Deltamethrin wird als bienengefährlich eingestuft. – Aber jetzt muss ich weiter, sonst bricht die Dunkelheit herein und ich werde flügellahm.“ Summm, auf und davon ist der dick bepelzte Bombinus. „Das heißt“, meint Maja und entfaltet ihre Flügel, „sie wollen uns eigentlich nicht an den Kragen, sie sind nur entsetzlich dumm; denn so viel ich weiß aus der Schule unseres Lebens; wenn es uns nicht gibt, fallen die Erträge von 80 % der Nutzpflanzen aus. Je mehr von uns sterben, um so teurer werden Gemüse und Obst – sehr schlecht für die Menschen.“ „Aber auch sehr schlecht für uns, so viel Nektar können die Arbeiterinnen gar nicht sammeln, wenn sie so wenige sind, um die Brut richtig zu pflegen und für den Nachwuchs zu sorgen“, gähnt Willi, „die sollten einfach diese blöden Energiepflanzen austauschen. Anstelle von Mais könnten sie die „durchwachsene Silphie“ anpflanzen, darauf fliegen wir doch alle, Bienen, Hummeln und die Wildbienen.“

 

„Was Du nicht sagst“, lacht Maja, „hoffentlich  hören sie auf dich.“  „Müssen sie,“ ruft Willi, während er sie in eleganten Kurven umkreist, „da gab es doch so‘n schlauer Mensch, ich glaube, der hieß Einstein, und genau der hat gesagt ‚wenn eines Tages die Biene stirbt, lebt der Mensch nur noch vier Jahre!‘