Kuckuck ( Cuculus canorus) männlich links, weiblich rechts
Kuckuck ( Cuculus canorus) männlich links, weiblich rechts

Von Kuckuckskindern

    ...Und warum auch sie vom Aussterben bedroht sind

1. Teil

Lieber Kuckuck sag mir doch, wieviel' Jahre leb' ich noch?“ Einst ein beliebtes Kinderspiel, das an der Anzahl der Kuckucksrufe im Scherz die Anzahl der eigenen Lebensjahre berechnen wollte, wird in absehbarer Zeit nicht mehr möglich sein; denn die Anzahl der Überlebensjahre des Kuckucks hat sich auch für ihn infolge des Artensterbens merklich dezimiert; denn der Kuckuck ist nicht nur durch seinen eindrucksvollen Ruf, der ihm seinen Namen verlieh, bekannt, sondern auch durch sein brutparasitäres Verhalten, auf seine Wirtsvögel ist er angewiesen, die ebenfalls – bedingt durch die sog. „Ausdünnung“ der Wirtsvögel, als Folge der Zerstörung und des Verlustes der Lebensräume durch Ausräumung der Agrarlandschaft (keine Hecken und blütenreiche Randsäume zwischen den Feldern) nur noch vermindert vielerorts anzutreffen sind.

Nicht hinweg zu diskutieren ist auch der zunehmende Einsatz von Pestiziden, hauptursächlich für die Reduzierung der Nahrungskette der Wirtsvögel, wie

Rohrsänger  (Foto Teichrohrsänger c) Wikipedia Jürgen Freisinger)

Grasmücken, (Foto Mönchsgrasmücke c) Wikipedia Jakub Stanco)

Pieper         (Foto Baumpieper c) Wikipedia Vogelartinfo)

Bachstelzen,  (Foto - im Brutkleid - c) Wikipedia Andreas Trepte

Braunellen.    (Foto Heckenbraunelle c) Wikipedia Smalljim)

Zaunkönig     (Foto c) Wikipedia Andreas Trepte)

Rotschwänze (Foto Gartenrotschwanz c) Wikipedia Thomas Kraft)

Der Vogel des Jahres 2008 steht für vielfältige und artenreiche Lebensräume. Verändert sich die Landschaft etwa durch Anlage großer Monokulturen, verschwindet durch den Bau von Freitzeitanlagen oder durch den Straßenbau, dann fehlt der Lebensraum für die Vögel und so steht der Jahresvogel des Jahres 2008 schon auf der Vorwarnliste des IUCN, und so hat allein in den letzten 10 Jahren der Bestand gebietsweise 20 bis 30 % abgenommen. Betroffen sind die Bundesländer

 

Nordrhein-Westfalen (am stärksten)

Niedersachsen

Baden-Württemberg

und im Saarland.

 

 

Im Nordosten Deutschlands, im Spreewald und in den bayrischen Voralpen ist er noch häufiger anzutreffen. 

Kuckuck (Cuculus canorus c) Vogelartinfo Chris Romkeike)
Kuckuck (Cuculus canorus c) Vogelartinfo Chris Romkeike)

Insgesamt keine guten Zukunfts-Chancen für den beflügelten Frühlingsboten mit dem markanten, unverwechselbaren Ruf, trotz der hartnäckigen Bemühungen der etwa taubengroßen Kuckucksdame in der Zeit der Eiablage von April bis Juli 25 Eier in die Nester adäquater Wirtsvögel zu platzieren, jeweils ein Ei in einem Wirtsvogelnest, das die Dame schon vorher ausgespäht hat. Wer weiß schon , ob sie in der Kernzeit April/Mai eingetroffen war oder als Frühankömmling bereits Ende März, die Temperatur der entsprechenden Jahreszeit spielt dabei eine große Rolle. 

Natürlich bevorzugt das Kuckucksweibchen Nester, in den schon Eier abgelegt sind, es muss blitzschnell reagieren, weil viele Wirtsvögel ihre Eier nur in Etappen ablegen. In einem unbewachten Moment fliegt es zum anvisierten Nest, nimmt ein Ei heraus und liegt ihres statt dessen hinein. Nun geschieht eine wunderbare Metamorphose: Das Kuckucksei nimmt die Farbe der Eier der Wirtsvögel an!! Die Anpassung geschieht, in dem die Pigmentierung der Eierschalen in

 

ihrer chemischen Zusammensetzung (Biliverdin und Protoporphyrin in unterschiedlichen Anteilen) vom Kuckucksweibchen repliziert wird. Männchen tragen diesbezüglich keine genetischen Informationen, 

Fotos oben bei dem blauen Gelege der Gartenrotschwänze ist deutlich das größere Kuckucksei zu erkennen

Offenbar Kuckucksweibchen mit Beute
Offenbar Kuckucksweibchen mit Beute

Zu einer anderen Merkwürdigkeit der Natur gehört es, dass die Kuckuckseier durch das Weibchen schon vor der Eiablage bei etwa 40° angebrütet sind, daraus ergibt sich die natürliche Folge, dass das Kuckucksküken während des Brutgeschäftes der Wirtsvögel etwa 31 Stunden früher als die anderen Küken die Eierschalen verlässt und sogleich – ohne Federkleid – beginnt, die übrigen Eier der Brut vermittels des Rückens über den Nestrand zu kippen, selbst bereits geschlüpfte Brutgeschwister werden durch das Kuckuckskind martialisch aus dem Nest entfernt, so dass das Brutelternpaar alle Kraft dem ewig bettelnden und Futter heischenden jungen Kuckuck – der oft jetzt schon größer ist als das Wirtsvogelpaar - und dessen Ernährung widmen muss. Kuckuckseier sind größer als die Eier der Wirtsvogel mit einer wesentlich dickeren Schale, was den Vorteil beinhaltet, dass das Kuckucksei, wenn es durch die Wirtsvogeleltern als artfremdes identifiziert wurde, nicht durch Schnabelhiebe gelocht und hinausbefördert werden kann. In 10 bis 30 % verlassen dann die Wirtsvögel das Nest und beginnen anderweitig eine neue Brut.

Zwar haben Rohrsänger und Co. oft schon die Taktik des raffinierten und durchtriebenen Kuckucksweibchen durchschaut und vertreiben den aufdringlichen Brutparasit mit Schnabelhieben, dem Ausreißen von Federn und reagieren gelegentlich auch mit Ertränken.

 

Das Kuckuckskind versteht es allerdings, um genügend Futter heranschaffen zu lassen, das es dringend braucht, die Stimmen der Wirtsvogel-Küken nachzuahmen, 

Jedoch die Evolution macht Fortschritte, schon gibt es parasitierte Vogeleltern die durch Reflexionen im UV-Licht artfremde Eier erkennen und aus dem Nest entfernen!

Ende 1. Teil

Von den Kuckuckskindern, Tl. 2 (Link)