Von Kuckuckskindern, Tl. 2

...und warum auch sie vom Aussterben bedroht sind

Kuckuck im Flug, Pixabay
Kuckuck im Flug, Pixabay

Man könnte ihn mit einem Sperber oder Turmfalken verwechseln, den männlichen Kuckuck mit seinem höchst interessanten Federkleid (Oberseite schiefergrau, Oberschwanzdecken hellgrau mit sehr dünnen, schmalen Endsäumen, Kinn, die Kehle und die Vorderseiten sind einheitlich hellgrau, heller als die Oberseite, die übrige Unterseite weiß mit breiter grau-brauner Bebänderung) und der Größe eines Sperbers (Körperlänge 32-34 cm, Flügelspannweite 55-60 cm, Gewicht des Männchens 110-140 g, des Weibchens 95-110 g). Er ist außerdem mit spitzen Flügelenden ausgestattet und einem abgerundeten 13-15 cm langen Schwanz. Die Unterschwanzdecken sind weiß bzw. isabellfarben gefärbt. Im Flugbild könnte man ihn mit dem Sperber verwechseln, aber die spitzen Flügelenden weisen auf einen Kuckuck hin. Exzellentes Mimikry der Natur als Ablenkungsmanöver der zur Brutparasitierung ausgewählten Wirtseltern. Der gestufte, dunkel schiefergraue Schwanz mit deutlich scharf gezeichnetem, abgetrenntem weißem Endsaum, wird des Öfteren von dem sitzenden Kuckuck gefächert und leicht angehoben (er wirkt im Sitzen etwas kurzbeinig), die leicht abgespreizten Flügel hängen dabei. Iris, Lidring und Schnabelbasis weißen eine hellgelbe Farbe auf. Neben diesem grauen männlichen Kuckuck gibt es noch einen anderen rotbraunen Phänotyp, der im Aussehen resp. der Farbe den Kuckucksdamen ähnelt. 

In zwei Farbmorphen (Farbarten) treten die Kuckucksweibchen auf: Zwar ähnelt die graue Farbvariante dem der grauen Kuckucksmännchen, ist jedoch auf der Brust gelblich bis rostbeige getönt mit einer schmalen dunklen Bebänderung. Seltener ist die braune Farbvariante des weiblichen Kuckucks: Oberseite und Brust zeigen eine braune Farbe, und das gesamte Gefieder ist dunkelbraun quer gebändert, ebenso der Schwanz mit einer dünnen weißen Endbinde.Iris, Lidring und Schnabelbasis zeigen eine hellbraune Farbe. Schiefergrau mit rostroter Tönung zeigen sich die Kuckuckskinder im Jugendkleid. Das gesamte Gefieder zeigt eine dünne, dunkle Querbänderung, die kleinen und großen Flügeldecken sind schmal-weiß gesäumt. Des Weiteren erkennt man eine dunkelbraune Iris, einen blassgelben Lidring, von gleicher Farbe wie die Schnabelbasis. Am weißen Fleck im Nacken erkennt man den Jungvogel. Bei beiden Farbvarianten und im Jugendkleid zeigen Beine und Schnabel eine gelbe Farbe nur die Schabelbasis ist horngrau.

 

 

Was gibt es noch an Wissenswertem über den Kuckuck: Dass in seinem Lebensraum ausreichend Strukturen wie Ansitze, Hecken, Sträucher und vereinzelte Bäume vorhanden sein müssen, dass er ein Langstreckenzieher ist und überwiegend nachts in sein Winterquartier in Afrika südlich des Äquators reist (bevorzugt in der Nähe von Wasserläufen im tropischen Bereich oder Savannen mit Akazienbestand). Sowohl die Alt- als auch die Jungvögel brechen in Deutschland anfangs August zu einer über 7100 km langen Reise auf und kehren meistens in der zweiten Aprilhälfte zurück. Je nach den Temperaturen der Jahreszeit zeigen sich Frühankömmlinge schon bereits im März. 

Ausschließlich aus Insekten besteht die Nahrung des Kuckucks: Vorwiegend Schmetterlingsraupen (auch behaarte und solche, die Warnfarben tragen und von anderen Vögeln nicht verspeist werden). Daneben stehen auch Käfer, seltener Libellen, Heuschrecken, Ohrwürmer, Wanzen, Hautflügler und Fliegen auf dem Speiseplan, des Weiteren Spinnen, Tausendfüßler, Regenwürmer und Schnecken. Selbst junge Frösche und Kröten werden nicht verschmäht. Das Kuckucksweibchen erdreistet sich zudem. auch die Eier der Wirtsvögel zu verzehren!

 

Als territorialer Vogel besetzt ein Kuckucksmännchen ein Gebiet von etwa 30 Hektar, das sich mit dem Revier eines anderen Männchens überlappen kann. (Die Männchen treffen früher als die Weibchen ein). Auch die Weibchen konkurrieren ebenfalls um Reviere miteinander, die eine große Anzahl von passenden Wirtsnestern anbieten. In kleineren Gebieten kann ein Kuckucksweibchen auch alleine ein Revier besetzen. Große Reviere bieten oft nicht die für Kuckucke nötige Nahrung, manches Mal lagen schon zwischen den Nahrungsgebieten und den Brutvogelnestern eine Distanz von über 20 km, deshalb kann meistens ein großes Gebiet mit potentiellen Wirtsvogel-Bruten naturgemäß nicht von einem einzelnen Weibchen verteidigt werden. Stirbt ein dominantes Kuckucksweibchen, so ist in kürzester Zeit ein anderes zur Stelle und übernimmt das Revier, einige der Wirtsnester werden unter Umständen auch von anderen Weibchen parasitiert. 

 

Mit zwei Jahren werden die Kuckucke geschlechtsreif und die Balz beginnt. Er lockt mit dem typischen Ruf, der ihm den Namen verlieh, verfolgt sie mit einem keuchenden „Hach-hach-hach“. Sie antwortet mit Trillern und einer Art des Kicherns. Nur kurz ist die gemeinsame Zeit, sie braucht ihn nun nicht mehr. Ihr Geschäft ist das Eierlegen in artfremde Nester, mit der Taktik, die bereits beschrieben wurde bzw. auch mit einem Flug und dem imitierten Ruf des Sperbers, der die Wirtsvögel unaufmerksam werden lässt, weil sie den Himmel nach dem gefährlichen Sperber absuchen. Deshalb ist es auch nicht ungewöhnlich, dass das ansonsten unauffällige Kuckucksweibchen nach der Eiablage eine Art des Kicherns ausstößt, weil diese Geräusche angeblich dem Sperberruf ähneln sollen, was auch bei den erwachsenen Wirtsvögeln – insbesondere bei den Rohrsängern – Angst und Schrecken verursacht, sie wagen sich für eine Weile nicht aus der „Deckung“ hervor. 

 

Offenbar haben bereits einige Wirtsvogelarten effiziente Abwehrmechanismen gegen die Raffinesse der Kuckucksweibchen entwickelt und identifizieren sogar die artfremden Eier und werden daher kaum noch parasitiert, obwohl sie in der Vergangenheit häufig „heimgesucht“ wurden, im Verbreitungsgebiet des Kuckucks kaum noch heimgesucht: u.a. gehören dazu Neuntöter, Goldammern und Zilpzalpe. (Per Klick auf Fotos Angaben über Fotografen)

Man kann den Kuckuck geradezu als nicht zu häufigen Vogel bezeichnen, ein Grund warum der Anteil parasitierter Nester auch verhältnismäßig gering ist. Forschungen haben ergeben, dass nur bei den Hauptwirten etwa 1 % der Nester auch ein Kuckucksei enthält. Es sind u.a. die Sumpfrohrsänger, die am häufigsten ein untergeschobenes Ei erkennen und es auch entfernen. (Foto  Sumpfrohrsänger - Wikipedia c) Marek Szczepanek)

Jungkuckuck i. Nest, Foto c) LBV H. Luschak
Jungkuckuck i. Nest, Foto c) LBV H. Luschak

Aber immer noch gelingt es der Kuckucksdame ein Ei im Nest potentieller Wirtsvögel zu platzieren und damit die Voraussetzung für einen Bruterfolg zu schaffen. Nach 12 Tagen bereits, einer sehr kurzen Brutzeit, schlüpft der junge Kuckuck und hat wahrscheinlich schon vor den Wirtsvogeljungen das Licht der Welt erblickt. Höchst selten sind schon einzelne oder alle jungen des Wirts geschlüpft. Nach einer Ruhepause von acht bis 10 Stunden beginnt nun das federlose, nackte Kuckucksjunge sich im Nest so zu bewegen, dass es ein Ei an den Nestrand schieben kann, unterstützt durch seine besonders berührungsempfindliche Grube im Rücken und die gestreckten Flügel. Seine kräftigen Beine spreizt es und krümmt den Kopf nach vorne, so weit, dass er fast vorne den Bauch berührt Man kann seine Anstrengungen deutlich erkennen, der Jungvogel scheint anzuschwellen, sogar die Venen an den Flügeln und am Hals treten deutlich hervor, dabei zuckt der Kopf ruckartig vor und zurück. Diese enormen Anstrengungen erfordern immer wieder kleine Pausen für das Küken. Hat es den Nestrand erreicht, legt es die Flügel darauf und schiebt das Ei (oder auch den Jungevogel) des Wirts mit einem schüttelnden, kurzen, kräftigen Ruck hinaus, ein Vorgang der etwa dreieinhalb Minuten erfordert und solange wiederholt wird, bis der junge Kuckuck sich allein im Nest befindet und den Fütterungstrieb und die Aufmerksamkeit der Wirtseltern für sich alleine beansprucht. Dieses “brudermörderische“ kräftezehrende Verhalten - das dem Kuckucksnestling viel abverlangt (er frisst in dieser Zeit wenig Futter zu sich, er droht bei offenen Nestern selbst herauszufallen), dauert gewöhnlich nur die beiden ersten Tage nach dem Schlüpfen, selten bis zu sieben Tagen. Er wächst langsamer und das Flügge-Werden verschiebt sich um einen Tag. 

Das Verhalten des Kuckucksnestlings sorgt auch für eine gewisse Problematik; denn die meisten Vogeleltern schaffen das Futter nach Anzahl der aufgesperrten Schnäbel heran, der Schlüsselreiz, der die Fütterung auslöst. Die „fehlenden Schnäbel“ gleicht der junge Kuckuck durch schnelles Rufen und Imitieren der fehlenden Brutgeschwister aus. Forschungen haben ergeben, dass das „brudermörderische“ Verhalten nicht darin beruht, dass er als alleiniger Nestinsasse mehr Futter bekommt und nicht teilen muss, sondern eher darin, dass die kleineren Jungvögel der Wirtsvögel schneller flügge werden und außerhalb des Nestes von den Eltern weiter gefüttert werden, nicht aber das zurück gebliebene Kuckuckskind! Seine Bettelrufe setzen etwa ab dem Alter von 4 Tagen ein und verstärken sich am dem 7. Tag. Außerdem übt der weit geöffnete, orangerote Rachen eine so starke Reizwirkung aus, dass sich gelegentlich Vögel anderer Arten an der Fütterung beteiligen. Zunehmend aktiver wird der Jungkuckuck etwa ab dem 11. Tag, wendet sich ab dem 16. Tag auch den Wirtseltern zu, wird ab dem 20. Tag flügge und fliegt auch den Wirtseltern zu, die noch mehrere Wochen außerhalb des Nestes weiterfüttern. 

 

Kuckuck auf Nistkasten c) lbv Uli Waldbach
Kuckuck auf Nistkasten c) lbv Uli Waldbach

Mitunter gelingt es hinausgeworfenen Küken von Wirtsvögeln wieder vom Nestrand in das Nest zu gelangen, oder die Wände des Nestes sind so steil (resp. Höhlenster oder Nistkästen), dass es dem Kuckucksnestling nicht gelingt, die Eier bzw. die Wirtsvogelküken nur teilweise oder überhaupt nicht aus dem Nest zu expidieren, müssen die Kuckuckskinder die Nahrung mit ihren Stiefgeschwistern teilen, wachsen langsamer und werden bis zu 4 Tagen später flügge, entsprechend hoch ist in diesen Fällen die Verlustrate. 

 

 

Es ist zu befürchten, dass diese einzigartigen Vögel, auch ein Opfer der Klimaveränderungen werden könnten: denn die potentiellen Wirtseltern kommen immer früher aus ihren Winterquartieren zurück, ihre Nester werden schon bebrütet, wenn die Kuckucke, die einst als Frühlingsboten galten, zu spät zurückkehren, und bei aller Fähigkeit zum Täuschen und Manipulieren, gelingt es den Kuckucksweibchen immer seltener, ihre Eier in die entsprechenden Wirtsnester zu platzieren. Hat Frau Kuckuck demnächst keinen Grund mehr zum Kichern?

Epilog

Kuckuck c) Oliver Richter
Kuckuck c) Oliver Richter

Aufgrund des „mörderischen“ Verhaltens der Kukuckskinder wurde der Name des Kuckucks oft als Synonym für den Teufel verwandt in Aussprüchen wie:

Zum Kuckuck, scher dich zum Kuckuck, jemanden ein Kuckucksei legen, hol's der Kuckuck, zum Kuckuck! 

Aber als Krafttier weist er den, dem er begegnet darauf hin, sich in Selbsterkenntnis zu üben, fordert zum Inne-Halten auf, rät dazu, sich nicht täuschen zu lassen. Warnt vor Energieverlust und Kurzsichtigkeit. Lädt dazu ein, stille zu werden, zwischenmenschliche Kontakte zu überprüfen, sich auf die Wahrheit im eigenen Inneren zu konzentrieren und rät mit offenen Augen durch das Leben zu gehen. Letztlich bedeutet die Begegnung die Ankündigung einer Schicksalswende.