Foto c) Oliver Richter
Foto c) Oliver Richter

Von der Lerche, die schon „unter der Haube“ ist

Eine Hommage an den Vogel des Jahres 2019, die Haubenlerche (Galerida cristata

Wo sieht man sie noch geschäftig, die Lerche mit dem markanten Häubchen auf dem Köpfchen, einer gedrungenen Gestalt, mit dem unauffällig gefärbten Federkleid (dunkelgrau gestreift, weiße Unterseite, rötlich im Bereich der Flügel, rostroter Saum am Schwanz) der Größe (18 cm) und dem Gewicht (45 g) eines großen erwachsenen Sperlings. Ein kräftiger gebogener Schnabel, mittelhohe Beine und breite große Flügel zeichnen sie aus

Foto c) Jörg Stemmler
Foto c) Jörg Stemmler

Man muss sie schon suchen in Deutschland – es fehlt ihr an Lebensraum und entsprechender Nahrung, und in ihrem Falle ist nicht der Klimawandel schuld, sondern das Schwinden ihrer natürlichen Habitate: Offenes trockenes Grasland, Feld-, Weg- und Straßenränder, Industriegebiete, trockenwarme Flächen an Häfen und in Städten mit niedriger und lückenhafter Vegetation sind ideal – vorzugsweise auch lehmige Sandböden.

Beliebte Habitate der Haubenlerche

Doch die fortschreitende, menschlich verursachte Boden-Eutrophierung (= Überangebot an Pflanzennährstoffen, insbesondere Phosphor und Stickstoff) nimmt der Haubenlerche diese Inseln ihrer Lebensräume, ebenso wie die fortschreitende Flächenversiegelung durch neue Bauwerke beispielsweise in verlassenen Industriegebieten. Ganz gleich, an welchen Stellen sich Ruderalflächen befinden, sofort wird eingegrünt, gedüngt, bepflanzt – kein Platz mehr für den Vogel mit dem markanten Aussehen und dem eindringlichen Gesang. 

Eingegrünte Ruderalflächen

Zwar erstreckt sich das Verbreitung der Haubenlerche in der borealen Zone weit vom Westen und Südwesten Europas über Asien bis hin nach Korea und zum Gelben Meer – während die Südgrenze vom Senegal über Gambia, Nigeria, den Sudan und den Norden Kenias, der Küste Arabiens, den Nordosten Indiens bis ins Tiefland Nepals verläuft – doch steht er in Deutschland unter strengstem Naturschutz (steht auf der Roten Liste Kategorie 1 = vom Aussterben bedroht) , das gilt insbesondere für die Bundesländer Bayern, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen (letzter Brutnachweis 2003), das Saarland und Schleswig Holstein. In Hamburg gilt die Art als verschollen; denn den letzten Brutnachweis gab es im Jahre 2007, sie muss daher dort als verschollen gelten. In Brandenburg wurde sie in die Kategorie 2 eingestuft, in Sachsen-Anhalt hat man sie auf die Vorwarnliste aufgenommen. 

Foto c) Kai Rösler
Foto c) Kai Rösler

Wechselhaft zeigten sich in den letzten Jahrhunderten die Klimabedingungen für die Haubenlerche, sie hat dadurch viele Arealerweiterungen, aber auch -verluste erlebt. Im 16. und 18. Jahrhundert dehnten sich die Verbreitungsgebiete infolge von Wärmephasen aus, zogen sich allerdings durch die Kältephase im 17. Jahrhundert wieder zurück. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts förderten neue Industrieanlagen in den Städten neue Bruthabitate. Aber mit Beginn der 1930er Jahre schwand der Bestand bis auf den Südosten Europas dramatisch

Die Gesamtpopulation Europas schwand sei 1980 um 98 % (!!) und trotz günstiger klimatischer Veränderungen konnte keine Wiederausbreitung der Vogelart beobachtet werden. Ursache: Verlust der Habitate (z.B.Begrünung, Versiegelung, Bebauung), Nahrungsmangel durch Pestizide und Herbizide bzw. Intensivierung der Landwirtschaft, Extensivierung der Weidewirtschaft mit breiten von Wildkräutern bewachsenen Feldrainen und Wegerändern, Verlust der Hauptnahrung an Samen von Wildkräutern und Gräsern im Sommer, im Winter mit wechselnden Anteilen an Kleintieren. Insektenmangel zu den Brutzeiten (zwischen April bis Juni mit einem vom Weibchen gebauten, gut getarnten Nest am Boden, manchmal auch an Böschungen oder Steinmauern, zweimal in dieser Zeit einem Gelege von 2 bis 5 Eiern, das 11 bis 14 Tage bebrütet wird). Die Jungvögel verlassen das Nest 9 bis 11 Tage nach dem Schlüpfen und benötigen animalische Kost, wie z.B. Regenwürmer, kleine bis mittelgroße Käfer, Fliegen, Spinnen, Raupen, kleine Schmetterlinge. 

Im Großen und Ganzen gesehen, kann man diesen Artenverlust auch als Folge des menschlichen Eingriffs in die Natur ansehen inclusive der Massentierhaltung in Ställen und nicht auf Weideland!

 

 

Bald kann man wohl nirgends mehr das Zwitschern der Lerche mit der Haube vernehmen!  Menschliche Schuld!

Epilog:

In alten Zeiten, wusste man, wenn die Lerche nicht mehr singt, hat der Herbst begonnen. Heute ist es fraglich, ob man eine wieder Im Frühling singen hört!..