Schwarzkittel -

unbeugsame Krieger

Rune Fehu
Rune Fehu

Hat ein Schwarzkittel Deinen Weg gekreuzt? Kein Grund zu erschrecken; denn das eigentlich scheue Wildtier hat eine Botschaft für Dich. Vielleicht entspricht diese Botschaft der Rune Fehu, die den Wildschweinen zugeordnet wird, und die Erfüllung, Profit, Gewinn, Besitz und Wohlstand verheißen mag oder die Verabschiedung von der Vergangenheit. 

Das Wildschwein (Sus scrofa), die Stammform unseres Hausschweines – ein sehr anpassungsfähiger Allesfresser - gehört zur Familie der altweltlichen oder echten Schweine (Suidae) aus der Ordnung der Paarhufer. Der gedrungene massive Körper erweckt in seiner imponierenden Präsenz den Anschein von Kraft, Stärke, Energie und Tatkraft, sogar manches Mal von Gewalt. 

Freyr, Gott der Liebe u. d, Fruchtbarkeit
Freyr, Gott der Liebe u. d, Fruchtbarkeit
Bronzestatue, die Arduinna, der kelt. Waldgöttin zugeordnet wird
Bronzestatue, die Arduinna, der kelt. Waldgöttin zugeordnet wird

Kein Wunder also, dass unsere germanischen „Altvorderen“ sich vorstellten, dass der Fruchtbarkeits- und Liebesgott Freyr auf einem Eber resp. Keiler reitet, als generelle Assoziation des Wildschweines mit Lebenskraft und Fruchtbarkeit. Auch Arduinna, die keltische Göttin des Waldes und der Jagd ritt nach der alten Mythologie auf einem Eber/Keiler. Mut und Angrifflust der Tiere spielten eine große Rolle für ihre Verehrung als Kriegssymbole bei den keltischen Sippen.

Die kurzen, kräftigen Beine des Schwarzwildes tragen den massigen Körper, der im Verhältnis zum Körper fast überdimensionierte Kopf läuft keilförmig nach vorne aus mit weit oben im Kopf liegenden, schräg nach vorne gerichteten Augen. Kleine Ohren, von einem zottigen Borstenrand umgeben und ein kaum erkennbarer, wenig beweglicher Hals, der nur im Sommerfell der Tiere deutlicher zu sehen ist, zeigen sich als weitere körperliche Merkmale des Borstentieres, dazu noch ein langer Kamm von Borsten, der von der Stirn aus über den ganzen Rücken verläuft und bei Imponiergehabe aufgestellt werden kann. Der Körper endet in einem bis zu den Fersengelenken reichenden, äußerst beweglichen Schwanz, und doch wirkt ein Wildschwein, von vorn betrachtet, eher schmal. Das kräftige Gebiss ist mit 44 Zähnen „bewaffnet“, in jeder Kieferhälfte drei Schneidezähne und ein Eckzahn, vier Prämolare und drei Molare. Zwischen weiblichen und männlichen Tieren unterscheidet sich das Gebiss, während bei den Männchen sich die oberen und unteren Eckzähne nach aufwärts krümmen (im Oberkiefer wesentlich kürzer als im Unterkiefer) und in Ausnahmefällen bis zu 30 cm erreichen, ziert die Damen eher im Alter gelegentlich ein solches Imponierorgan. 

Dieses imposante Krafttier verkörpert Lebenskraft, Wissen und Weisheit als Gesamtheit, eine ungezügelte Kraft, oft falsch interpretiert als Raserei oder Aggressivität, doch dabei möchte es nur auf der Suche nach dem inneren Schatz helfen und die eigenen Wurzeln zu entdecken. Sein zielsicheres Suchen und Graben bringt alles ans Licht, auch das, was das Tageslicht scheut, alles Verborgene und Verdrängte wird sichtbar, so wie es in der realen Welt die Wildschweinaufbrüche in Wäldern, an Waldwegen und sumpfigen Gegenden zeigen, das Unterste wird nach oben gekehrt.

 

 

"Schweinerei" einer Schwarzkittelrotte
"Schweinerei" einer Schwarzkittelrotte

In einem dunkelgrauen bis braun-schwarzen Fell mit langen borstigen Deckhaaren (die eine Verletzung beim Durchqueren des Unterholzes verhindern) und kurzen feinen Wollhaaren, die den gesamten Körper - mit Ausnahme des Kopfes und des unteren Teiles der Beine - bedecken, durchstreifen die Borstentiere des Winters auf der Suche nach Nahrung ihr Habitat, bestens durch das Wärme-regulierende Fell geschützt. Im Frühjahr verliert sich das lange, dichte Winterfell, wollhaarfrei mit hell gefärbten Spitzen zeigt sich das Sommerfell, der Wechsel findet innerhalb von 3 Monaten statt und beginnt in Mitteleuropa ab April/Mai. Der Wechsel zum Winterfell beginnt bei den Vorjährigen schon ab Ende Juli/Anfang August, bei den ausgewachsenen Tieren erst ab September und ist im November abgeschlossen. (Tiere mit mehrfarbigem Fell unterliegen einer höheren Sterblichkeitsrate).

Eine bemerkenswerte Färbung zeigt das Fell der Frischlinge (frisch geborene Jungtiere): Auf einem mittelbraunen, sehr wolligen und weichen Fell, zeigen sich vier bis fünf, von den Schulterblättern bis zu den Hinterbeinen reichende, gelbliche Längstreifen, Schulterpartie und Hinterbeine sind gefleckt. Leider schützt das wollige, weiche Fell nicht sonderlich gut gegen Nässe, so dass eine feuchte Witterung eine hohe Frischlings-Sterblichkeit verursachen kann. Drei bis vier Monate wird dieses Jungtierfell getragen, dann färbt es sich allmählich zum einfarbig bräunlichen, etwas groberen Jugendfell, aber immer noch mit weniger gut entwickelten Wollhaaren und weicher als das ausgewachsener Tiere. Das erste Winterkleid erhalten Jungtiere in Europa im Oktober mit ähnlicher schwarz-brauner Fell-Färbung wie das ausgewachsener Tiere. 

Vollkommen ausgewachsen sind Wildschweine erst im fünften Lebensjahr und haben dann auch die optimale Körpermasse und -größe erreicht: Weibliche Tiere (Bachen) erreichen ein Lebendgewicht von 150 kg, eine Kopf-Rumpf-Länge von 130 bis 170 cm – männliche Tiere (Keiler) erreichen das stattliche Lebendgewicht von 200 kg und eine Kopf-Rumpf-Länge von 140 bis 180 cm.

Anpassungsfähig sind sie, die Schwarzkittel, daher erobern sie unterschiedlichste Lebensräume; denn als ausgesprochene Allesfresser erschließen sie sich schnell neue Nahrungsnischen. Anders als andere Großsäuger besitzen sie die Fähigkeit, den Boden aufzubrechen und damit sich auch Zugang zu anderen Nahrungsquellen zu schaffen. Dass sie mit ihrem kräftigen Gebiss sogar Kokosnüsse knacken können, verwundert nicht. Die ausgezeichneten Schwimmer mit der guten Wärmeisolation ihres Fells besiedeln mühelos auch Feuchtgebiete und Schilf-bewachsene Sumpfgebiete, aber auch den borealen Nadelwald und immergrünen Regenwald. Die Laub- und Mischwälder im klimatisch gemäßigten Mitteleuropa erlauben die höchste Bestandsdichte der Mitgeschöpfe im schwarz-braunen Rock. Hier erschließen sich für die Tiere eine Unzahl von Nahrungsquellen: Engerlinge, essbare Wurzeln, Mäuse, Schnecken und Pilze, Wasserpflanzen – wie den Kalmus – Blätter und Triebe zahlreicher Holzgewächse, mit Vorliebe Eicheln und Bucheckern (in sog. „Mastjahren“, wenn diese Bäume besonders viel tragen (wie in diesem Jahr), dann ernähren sie sich monatelang hauptsächlich von diesen Früchten). Sie verschmähen allerdings auch nicht die Wurzeln von Adlerfarn und Weideröschen, Buschwindröschen, Schlangen-Knöterich, Wegerich und Sumpfdotterblumen. Sie laben sich an Klee und den oberirdischen Pflanzenteilen von Süßgräsern, Ampfer, Giersch und Wiesenbärenklau sowie Eichenlaub.

Unverhohlen sei, dass sie sich auf landwirtschaftlich angebauten Feldern bedienen, wie an Hackfrüchten und allen Gemüsearten, dass sie gelegentlich vehement in Gärten einbrechen und auch in Parks Wühlschäden verursachen. Sie sind keine Kostverächter bei Kartoffeln, Frühkartoffeln werden bevorzugt. Gelegentlich brechen sie den Bau von Kaninchen auf und verzehren die Jungen, ebenso aber auch Aas.

Einen Großteil des Tages verbringen die Schwarzkittel ruhend, entweder mit gestreckten Beinen auf der Seite liegend oder auf dem Bauch mit gestreckten Vorder- und Hinterbeinen. Wann sie ruhen entscheiden sie je nach Wetterlage und Umweltbedingungen, meistens an bevorzugten Plätzen, sog. „Kesseln“.

 

Zum typischen Verhaltensrepertoire gehört auch das Suhlen im Schlamm und dient besonders im Sommer zur Wärmeregulation. Außerdem zeigt es sich sehr günstig, dass Hautparasiten durch den Schlamm eingekapselt und durch das Scheuern am sog. „Malbaum“ entfernt werden, indem sie sich an den Baum lehnen und den Körper daran entlang reiben. Als Malbäume bevorzugen sie Bäume mit grober Rinde oder harzende Bäume, in Mitteleuropa insbesondere an Eichen, Kiefern und Fichten. Man kann sie erkennen, die bevorzugten Malbäume, der abgeriebene Schlamm zeigt sich weiß-grau an den Bäumen, die Rinde ist teilweise abgeschabt. Zum Scheuern des Unterkörpers stellen sie sich gelegentlich über Baumstümpfe und scheuern sich daran. Der kurze, kaum bewegliche Hals der Wildschweine, der ihnen keine Reinigung des Körpers erlaubt, nötigt die Wildtiere zu dem beschriebenen Verhalten, um sich von schädlichen Insekten zu befreien. 

Wildschwein in Schlammsuhle
Wildschwein in Schlammsuhle
Malbaum
Malbaum

Von klimatischen Bedingungen ist auch die sog. „Rauschzeit“ (Paarungszeit abhängig), die in Mitteleuropa meistens im November beginnt, endet im Januar/Februar mit Höhepunkt im Dezember. Auch außerhalb dieser Zeit kommt es gelegentlich zu Verpaarungen, insbesondere dann, wenn Weibchen eine Fehlgeburt erlitten haben oder der ganze Wurf kurz nach der Geburt gestorben ist, hat die Natur es so eingerichtet, dass sie wieder empfängnisbereit sein können, dabei bestimmt das Nahrungsangebot, wann die weiblichen Jungtiere geschlechtsreif werden, das kann in guten Zeiten bereits im Alter von 8 bis 10 Monaten sein. Paarungsbereite Weibchen kopulieren während der Paarungszeit etwa sechs bis sieben Mal. Ist ein weibliches Tier (noch) nicht paarungsbereit, wehrt es die Annäherungsversuche des Keilers ab und attackiert ihn sogar gelegentlich. Dann versucht das männliche Tier die Schwarzkittel-Dame durch naso-nasalen Kontakt oder Anhauchen zu beruhigen. In diesem Zusammenhang wird berichtet, dass bei gut gegliederten Familien- resp. Mutterverbänden mit intakter Sozialordnung das älteste fortpflanzungsfähige Weibchen, die Leitbache der Rotte (= besteht aus Bachen, vorjährigen Jungtieren – ohne Keiler) eine Synchronisierung der Paarungszeit auslöst, wobei es in der Rotte zu mehreren Haupt- und Nachrauschen kommen kann. Die hormonell gesteuerte Paarungszeit zwischen Oktober und Dezember bewirkt zeitähnliche Geburten und sichert damit die Überlebenschancen der Jungtiere, durch die geringen Altersunterschiede der Frischlinge gewährleistet ist. 

Wildschwein a. Baumstumpf, Foto c) AZ-Archiv
Wildschwein a. Baumstumpf, Foto c) AZ-Archiv
Frischlinge mit Bachen
Frischlinge mit Bachen

Sorgfältig wählt das Muttertier den „Wurfkessel“ aus, meistens in Richtung Süden gelagert, so dass er gut von der Sonne erwärmt werden kann. In sumpfigen Regionen werden Bodenerhebungen für den Nestbau genutzt, damit es trocken bleibt. Sie polstert den Wurfkessel mit Gras aus und baut schließlich sogar eine Art Dach darüber. In der Zeit zwischen März und Mai bringt eine Bache – nach einer Tragzeit von 114 bis 118 Tagen - in Seitenlage, sieben sehende und behaarte Junge zur Welt mit einem Geburtsgewicht zwischen 740 und 1100 g. Die Säugezeit der Frischlinge dauert ca. 2,5 bis 3,5 Monate. Falls das Muttertier zu einer Rotte gehört, trennt sie sich solange von der Gruppe, bis die Kleinen groß und stark genug sind, um in der Rotte mitzuziehen. Die starke Bindung zwischen der Bache und ihren Frischlingen hält in der Regel 1,5 Jahre.

 

Eine hohe, zum großen Teil auch witterungsbedingte Sterblichkeitsrate der gegen Kälte und Nässe empfindlichen Jungtiere, veranlasst auch die Bache bei den Frischlingen mit dem noch nicht wohl temperierten Fellschutz im Geburtsnest zu bleiben und es erst mit ihnen nach zwei bis drei Wochen zu verlassen. Als leidenschaftliche Mutter verteidigt sie ihre Jungen energisch, dabei kann es auch zu Angriffen auf Menschen kommen!

Bache mit Frischlingen und einjährigem Tier
Bache mit Frischlingen und einjährigem Tier
Ruhepause - Frischlinge mit Bachen
Ruhepause - Frischlinge mit Bachen

Die typischste soziale Form des Zusammenlebens der Wildschweine ist die Mutterfamilie, bestehend aus einem weiblichen Tier mit ihrem letzten Nachwuchs, gelegentlich auch mit dem weiblichen Nachwuchs des Vorjahres, die ebenfalls schon wieder eigenen Nachwuchs mit sich führen mit der ursprünglichen Mutter als Leittier der Sippe, ohne Aufnahme fremder Tiere in die Gruppe. Treffen verschiedene Mutterverbände aufeinander wahren sie Abstand voneinander. Diese Gruppen brechen ohne ausreichendes Nahrungsgebot auseinander, insbesondere auch, wenn sie durch Jagd oder sonstige Eingriffe auseinandergesprengt werden und wenn das Leittier stirbt (mehr als 20 Tiere einer Rotte werden in Mitteleuropa nicht beobachtet).

Die vorjährigen Männchen werden aus der Mutter-Gruppe vertrieben und leben in der Regel bis zum zweiten Lebensjahr (unter Ausschluss fremder männlicher Tiere) in einem eigenen Verband, die Hierarchie ist zu diesem Zeitpunkt im Jungtieralter bereits ausgekämpft. Ab dem zweiten Lebensjahr ziehen sie als Einzelgänger durch ihr Habitat, schließen sich aber während der Paarungszeit einzeln der Muttergruppe an mit losem Kontakt, ruht nicht im gemeinsamen Lager, die Leitbache führt die Gruppe.

 

Gelegentlich werden auch atypische Gruppen vorjähriger Tiere beobachtet, in denen männliche und weibliche Tiere zusammenleben, immer dann, wenn die Leitbache erschossen wurde oder eines natürlichen Todes starb. Diese Gruppen lösen sich naturgemäß in der nächsten Paarungszeit auf. 

Harte Zeiten bei der Nahrungssuche im Winter
Harte Zeiten bei der Nahrungssuche im Winter
Winterzeit, schwierige Nahrungssuche
Winterzeit, schwierige Nahrungssuche

Nur wenige der Schwarzkittel erreichen ihr physisch ausgewachsenes Alter von fünf bis sieben Jahren. Haupttodesursache ist die Jagd in Europa, Krankheiten spielen kaum eine Rolle: In schwach bejagten Populationen erreichen Wildschweine ein Lebensalter von drei bis sechs Jahren, sinkt in stärker bejagten Gegenden aber auf zwei bis drei Jahre. Man spricht von einer Sterblichkeitsrate von 50 % , diese Annahme schreibt aber gerade bei Frischlingen einen zu geringen Wert.

 

Es gibt kaum physisch ausgereifte Tiere in den europäischen Wildschweinpopulationen auf der "freien Wildbahn", aber in Gefangenschaft können sie bis zu 21 Jahre alt werden. 

Die lokale ganzjährige Anfütterung der Wildschweine durch Jagdverbände mit Mais (aus offensichtlichen Gründen) und der naturwidrige Maisanbau in großen Monokulturen lassen in solchen Gegenden die Wildschweinpopulationen sprunghaft ansteigen, zumal die natürlichen Fressfeinde ebenfalls – oft illegal – bejagt werden:

 

Zu den natürlichen Feinden gehören Wolf (Hauptbeute), Braunbär und Tiger (in den Gegenden ihres Vorkommens), wobei den Wölfen hauptsächlich Jungtiere zum Opfer fallen, während erwachsene, in die Enge getriebene Wildschweine sich durchaus gegen Wölfe verteidigen können – sie sind eben „die Krieger“ unter den Wildtieren.

 

Sowohl Fuchs, Luchs, Wildkatze und auch Uhu schlagen gelegentlich Jungtiere.

 

 

Unbestritten aber bleibt, dass sie durch die sog. Endochorie (Verbreitung von Samen durch Verdauung) für eine wirksame Verbreitung von Pflanzenarten (76 von untersuchten 123) sorgen.

 

Ebenso bindend ist es, dass das Durchwühlen des Bodens im Rahmen der Nahrungssuche zu einer Erhöhung der Artenvielfalt führt - mit Verschiebung des Spektrums zu kurzlebigeren Arten – der Beitrag der Wildschweine zum botanischen Artenschutz. (Erhöhte Dichte von keimfähigen Pflanzen in von Wildschweinen durchwühlten Böden,veränderte Eigenschaften der durchwühlten Böden mit erhöhter Keimfähigkeit der Pflanzen, die Durchbrechung der Vegetationsruhe führt bekanntlich zum verstärktem Wachstum). 

Welches Tempo erreicht ein Wildschwein im „Schweinsgalopp“?

 

In Ruhe: Belastung aller vier Beine gleichermaßen.

Schritt: (normale Bewegungsform): Kreuzgang – diagonal befindlichen Vorder- und Hinterläufe werden gleichzeitig aufgesetzt. Tempo 3-6 km pro Std.

Trab: Hinter- und Vorderbein verlassen bereits den Boden bevor das jeweilig andere Bein aufgesetzt hat. Tempo: 6-10 km pro Stunde (kann lange durchgehalten werden).

Galopp: Fluchttempo, sie legen mit einem Galoppsprung bis zu 2 m zurück, wird nicht lange durchgehalten, sie fallen dann wieder in den Trab.

Schwimmen: Sehr gute Schwimmer, legen dabei längere Strecken zurück, wie durch Fotofallen bewiesen, z.B. Durchschwimmen des Hochrheins zw. Lörrach und Waldshut und das Rheinknie bei Basel.

 

 

Lange schon leben Schwarzkittel auf diesem Planeten: Die ältesten bekannten Wildschwein-Fossilfunde stammen in Europa aus dem späten Miozän, d.h. sie sind über 6 Millionen Jahre alt, in Nordamerika aus dem frühen und mittleren Pleistozän, einer Zeit vor 1,8 Millionen Jahren, während Forscher den frühesten menschlichen Fossilien (Affen-ähnliche mit aufrechtem Gang) eine Zeit von 3,2 Millionen Jahren zusprechen.

 

Sollten wir menschlichen Wesen nicht mehr Respekt dem Leben zollen, das schon Millionen Jahre vor uns Europa durchstreifte? Sind Wildschweine nicht auch Leben, inmitten von Leben, das leben will und nicht der „Nebenform der menschlichen Geisteskrankheit“ (Theodor Heuss), der Jagd, als Spaßfaktor dienen sollte?

 

 

Darstellung einer Sauhatz im Stundenbuch des Duc de Berry
Darstellung einer Sauhatz im Stundenbuch des Duc de Berry
Wildschwein Trittsiegel m. deutl. Afterklauen
Wildschwein Trittsiegel m. deutl. Afterklauen

Und so zeigt es sich, ob wir wollen oder nicht, das Krafttier Wildschwein holt alles, was tief verborgen war, ans Licht und gräbt um, was einer Wandlung bedarf. Die auf der Oberfläche liegenden Schleier lüftet es und findet immer, was es sucht, ob es ein Unterschlupf sei oder auch (geistige) Nahrung. Mitunter verkörpert es auch Zielsicherheit, Erfolg und Fruchtbarkeit. Es macht darauf aufmerksam, abzuwägen, wann es zu kämpfen gilt oder besser die Dinge sich selbst überlässt oder mehr Maß zu halten und seine Kräfte gezielter und effektiver einzusetzen.