Pelz, der grausame, blutige Tod für ein törichtes Modediktat

Kapitel 1: Kleine Modegeschichte aus alter Zeit

Dame im "Flohpelz"
Dame im "Flohpelz"

„Diktat der Mode“ ein geflügeltes Wort, schnell benutzt, doch mit äußerst bedenklichem Hintergrund. Nur vermeintlich handelt es sich hier um eine Wortschöpfung unserer Zeit. Doch bei näherem Hinschauen ist zu erkennen, dass sich schon ein gewisses Modediktat entwickelte aus den Umwälzungen der Reformation, der Bauernkriege und des Dreißigjährigen Krieges und den damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen. Mehr und mehr schien das aufstrebende Bürgertum es dem Adel in seiner Prunkversessenheit gleich tun zu wollen, das alte, „gottgewollte“ Ständegefüge schien in Auflösung begriffen: Grund genug für die Landesherren in ganz Europa – Könige Fürsten und Herzöge – Verordnungen mit genauen Vorschriften zu erlassen, die beschrieben, was für den jeweiligen Stand angemessen schien. In das späte Mittelalter fallen in Deutschland die ersten Verordnungen (in Frankreich und Italien schon im 13. und 14. Jhdt.), im 17. Jahrhundert werden die Bestimmungen der sog, „Policeyordnungen“, inhaltlich immer präziser, detail- und umfangreicher „So wir von von Kleidung, Hochzeiten vnd andern gemeinen Politischen Sachen vnsern Vnterthanen zu wolfarth vnnd gutem, mit reifflicher wolbetrachtung haben gemacht vnd zu halten befolen“ (Herzog Johann Adolf von Schleswig-Holstein-Gottdorf) . So durften Bürger z.B. weder Samt noch Seide tragen, kostbarer Schmuck, teure Schnüre und Stickereien waren verboten, ebenso wurde das Tragen von Pelzen auf Fuchs und Wolf beschränkt. Schneidern und Schustern drohten hohe Geldstrafen bis hin zu Berufsverboten, wenn sie für unangemessene Personen arbeiteten, bei Zuwiderhandlungen drohten sogar Ausweisungen. Die in kurzen Abständen immer wieder erfolgten Erneuerungen der Verordnungen lassen darauf schließen, dass Vermögende sich kaum an die Vorgaben hielten; denn der Herzog von Schleswig-Holstein-Gottdorf z.B. musste zu seinem Leidwesen vermerken, dass sich „vorwitzige Frauen und Jungfrauen“ kaum an die Kleiderordnungen der Stände hielten und gegen alle Vorschriften sich erlaubten, seidene Schürzen zu tragen, was wohl beinhaltet, dass es betuchte Bürgerinnen waren, die ihre Wohlhabenheit (oder die des Gatten) auf eine spezielle Art, zur Schau zu stellen gedachten; denn das Gros der Bevölkerung lebte im täglichen Überlebenskampf und bedurfte keiner Statussymbole und keiner Kleidung als Symbol der Macht.

Kapitel 2: Modegeschichte aus unseren Tagen

Halle Berry
Halle Berry

Nichts hat sich geändert in allen Jahrhunderten, immer noch stellen die Damen (und gelegentlich auch die Herren) der sog. „Reichen und Schönen“ ihren (vermeintlichen) Reichtum zur Schau, wesentlich verachtenswerter als zu Beginn der Neuzeit, zwar nicht mehr im Verstoß gegen die Kleiderordnung eines Landesherrn, aber schlimmer noch gegen jegliche Ethik und Empathie. Vorbei die Parole der sechziger Jahre „eine Frau mit Herz trägt keinen Nerz“. Offenherzig, aber ohne Herz, zeigen sich nur die Dekolletés der Damen jeglicher Couleur und jeglichen Alters, diese Blöße und den ab und an leicht plissierten Hals gnädig durch ein flaumweiches Etwas verhüllend. Niemand hört es mehr das Schreien des sich windenden, blutigen, oft lebendig gehäuteten Tieres, das seines Felles beraubt wurde, allein zu dem Zwecke einer pervertierten Demonstration dessen, was sich sonst hinter den Zahlen monströser Bankkonten verbirgt oder nötigenfalls in den dunklen Fächern von Tresoren...

Nichts hat sich geändert, gewissenlos trägt die Frau ohne Herz wieder den Nerz, den Zobel, den Hermelin (einst Königen und Fürsten vorbehalten), Fuchs, Wolf und Gaewolf (Hund), Persianer, Marder und Katze – vornehmlich auch in der von Champagner geschwängerten Luft beim Snow-Polo – in St. Moritz oder wo auch immer - hicks – wo sollte man sonst das „gute Stück“ denn zum Lüften spazieren führen?

Der neueste Trend: Pelzverbrämungen an Mantelkragen, Mützen und Schals, als Stulpen an Handschuhen, Stiefeln und Schuhen - die Wahrheit verbrämend, oft als Kunstpelz bezeichnet – aber die Herstellung echten Pelzes ist billiger, grausamer und lebensverachtend.

Kapitel 3: In der Falle

Es berührt dabei die Trägerin/den Träger nicht, dass alljährlich 65 Millionen Tiere für die Pelzindustrie (Schwerpunkt in China) ermordet werden: Nerzen, Füchsen, Wölfen, Luchsen, Eichhörnchen (Feh), Chinchillas, Nutrias (Sumpfbiber, Koyoten, neugeborenen Karakul-Lämmern (Persianer) und auch Hunden (Gae-Wolf) und Katzen wird oft auf grausamste Weise, das Fell „über die Ohren gezogen. Davon stammen 25 Millionen aus Wildtierfang und 40 Millionen aus Pelztierzuchtfarmen.


In Regel werden Wildtiere auf grausamste Weise in Fallen gefangen (z.B. Tellereisen, Eiabzugseisen, Schwanenhals und Spannhebel), wird der Auslösemechanismus berührt, schlagen die Bügel derartiger Fallen mit voller Wucht zusammen und klemmen auf`s Schmerzhafteste die Gliedmaßen des Tieres, Knochenbrüche, Fleischwunden und Sehnenrisse als Folge. Rasend vor Schmerz versucht ein so schwer verletztes Tier alles, um dem todbringenden Folterinstrument der Pelzindustrie zu entrinnen, und manches Mal gelingt es einigen Tieren, sich aus dieser Umklammerung zu befreien, indem sie sich das eingeklemmte Körperteil abbeissen, meistens nicht lebensrettend; denn der Blutverlust oder Folgeinfektionen führen in der weiteren Zukunft zu einem qualvollen Tod...Viele Tiere verhungern, verdursten oder verbluten nach Tagen der Gefangenschaft in der Falle. Noch lebende Mitgeschöpfe werden durch die unmenschlichen Fallensteller erschlagen oder erwürgt, die den schnellen Tod in der Falle keineswegs erwünschen; denn so kann sich das gefangene Wesen noch gegen andere Tiere verteidigen, und die Aasfresser beschädigen das Fell nicht, den gewinnbringenden Luxusartikel... Dass auch andere Tiere, z.B. verschiedene Vogelarten, ebenfalls Opfer dieser Fallen werden, schiert keinen Fallensteller, sie werden sozusagen unter „Kollateralschaden“ abgehakt.


Kapitel 4: Auf der Pelztierfarm - die lebenslange Hölle

4.1. Pelztierschicksale

4.1.1 Nerze

Nerze in der Behausung der Pelztierfarm
Nerze in der Behausung der Pelztierfarm

Früher waren sie in ganz Europa heimisch, die Nerze – bevorzugt auf den sog. Pelztierfarmen gezüchtet. In engen Rundumdrahtkäfigen (sogar der Boden) von einem Viertelquadratmeter und weniger fristen sie ihr Dasein, sie, die Einzelgänger (sie können Artgenossen nur schwer ertragen), die in Freiheit ein Revier von 20 qkm benötigen, ohne ihr Lebenselement Wasser – die Natur hat die ausgezeichneten Taucher und Schwimmer für ihr Leben an Bächen und Seen mit voll entwickelten Schwimmhäuten zwischen den Zehen der Hinterpfoten ausgestattet, sind oft gezwungen, mit mehreren Tieren einen Käfig zu teilen, deshalb werden ihnen Psychopharmaka zugeteilt, um sie ruhig zu stellen. Einzig und allein eine Tropftränke stellt ihnen etwas Wasser zur Verfügung. Dennoch verursacht dieses Leben eine solche Folter, dass sich manche das Fell ausreißen oder den eigenen Schwanz annagen, wiederum überschlagen sich andere in der engen, mit Kot und Dreck verschmierten Behausung, dabei fügt der dünne, kantige Maschendraht häufig eiternde Wunden zu – die phantasievolle Bezeichnung dieses „Käfigkollers“ durch die Farmer als „tanzen“ ist angesichts dieses Elends mehr als zynisch. Antibiotika bekämpfen wie in jeder anderen Massentierhaltung die Entstehung von Krankheiten, in Skandinavien gibt es Nerzfarmen, in denen bis zu 150.000 Tiere Käfig an Käfig dahinvegetieren. Der Kot der Tiere, der durch das Drahtgitter fällt und nur alle 1 bis 2 Jahre weggräumt wird, verursacht einen beißenden Gestank, die Luft und das Grundwasser in der Nähe dieser Farmen ist hochgradig belastet..


4.1.2. Füchse

Fuchs verletzt c) Peta opx60
Fuchs verletzt c) Peta opx60

Dass auch Füchse in Freiheit ein mehrere Quadratkilometer großes Revier benötigen, ist hinlänglich bekannt, aber auch ihnen wird auf den unsäglichen Farmen nur ein halber Quadratmeter an Raum zum Vegetieren ermöglicht, ebenfalls auf Gitterböden, die Ursache wunder Pfoten, von Entzündungen und Vereiterungen. Die Konsultation von Tierärzten ist unrentabel und da die Krankheiten die Qualität eines Felles nicht beeinträchtigen, fühlt sich kein Pelztierzüchter bemüßigt, etwas dagegen zu unternehmen.

Auch diese Einzelgänger mit ihren hoch entwickelten Sinnesorganen ertragen die ständige Anwesenheit von Artgenossen nur schwer. Angstpsychosen, wahnsinnige Tiere und Kannibalismus sind die Folgen dieser tierquälerischen Haltung.


4.1.3 Nutrias

Nutria Zuchtanlage c) ARIWA (Animals Right Watch)
Nutria Zuchtanlage c) ARIWA (Animals Right Watch)

Kältempfindlich sind sie, die Sumpfbiber aus dem südlichen Amerika, das Wasser ist ihr Element, in dem sie fast ständig leben, schwimmen und tauchen. In Nordeuropa gezüchtet in unbeheizten Massentierställen erleben sie in den kalten Jahreszeiten eine ungeheure Folter; denn wird der Betonboden zu kalt, müssen sie ständig die Pfoten einziehen um nicht festzufrieren und trotzdem sterben viele Tiere an erfrorenen, abgestorbenen oder vereiterten Pfoten.

4.1.4. Chinchillas

Eigenartige Tierhaltung, Chinchilla im Glas Foto c) Zandbad
Eigenartige Tierhaltung, Chinchilla im Glas Foto c) Zandbad

4.1.4.Chinchillas

Unter der drangvollen Enge ihrer Käfige leiden diese springfreudigen Nager besonders. Sogar von Laien werden sie in allerkleinsten Käfigen gezüchtet – Verlustrate 50 %.

Das Kaleidoskop des Grauens ließe sich beliebig fortsetzen, diese Auswahl mag genügen, um der Qual einen Namen zu geben. Vieles ließe sich dazu noch sagen, z.B.

...dass diese Intensivkäfighaltung mit der Haltung von Legehennen in Batterien zu vergleichen ist, während aber die Pelztiere zu jeder Jahreszeit den Unbilden der Witterung ausgesetzt sind – im Sommer dem Hitzetod (fehlen von Bade- resp. Abkühlungsmöglichkeiten), im Winter dem Kältetod preisgegeben...

...dass der Futterbrei für die Tiere maschinell auf die Käfige gespritzt wird, im Winter mit einem Frostschutzmittel vermischt, damit es nicht sofort festfriert. Trotzdem frieren beim Ablecken der Gitter manchmal den Tieren die Zungen fest und sie sind gezwungen, sich beim gewaltsamen Ablösen der Zunge Teile auszureißen.

… dass die Tötung der Tiere durch Elektroschocks vorgenommen wird, vorwiegend bei Füchsen (ein Metallstab in den After, ein anderer in den Rachen - mit dem Umlegen des Schalters werden 110 oder 230 Volt durch den Körper des Fuchses, die Elektrizität betäubt nicht das Gehirn, das Tier bleibt bei vollem Bewusstsein und erlebt die Qualen eines Herzanfalls – ein bis zwei Minuten dauert die Zeit bis zum Tod – eine Ewigkeit in der Hölle -

… das die Tötung von Nerzen in Gaskisten erfolgt, bis zu 50 Nerze werden in eine solche Kiste geworfen und dann Auspuffgase oder CO² hineingeleitet. Nach etwa 130 Sekunden werden die Nerze bewusstlos, nach weiteren 3 – 4 Minuten tritt erst der Herzstillstand ein. Vor der Bewusstlosigkeit reagieren die Tiere stark mit Atemnot, schreien, setzen in ihrer Todesangst Harn und Kot ab, wobei die Felle häufig stark verschmutzt werden, ein Grund für die Farmer den Tieren bis zu 3 Tagen vor dem Tod nichts mehr zu fressen zu geben …

… dass zur Gewinnung des „Persianers“ die Lämmer der Karakulschafe schon 1 bis 2 Tage nach der Geburt getötet werden, bzw. für den „Breitschwanz“ dem Muttertier der Hals durchgeschnitten und das ungeborene Lamm aus dem Leib herausgeschnitten wird …

5. Wieviel Leid und Tod verbergen sich in einem Pelzmantel?

Silberfuchs-Pelzmantel
Silberfuchs-Pelzmantel

30 bis 60 Nerze

25 bis 30 Nutria (Sumpfbiber)

45 bis 60 Iltisse

25 bis 30 neu- oder ungeborene Karakul-Lämmer (Persianer)

10 bis 15 Füchse

10 bis 12 Wölfe

12 bis 17 Luchse

110 bis 120 Eichhörnchen (Feh)

120 bis 150 Chinchillas

15 bis 20 Hunde (Original „Gae-Wolf“)

Nun, Lady im Nerz - wo bleibt dein Herz?