Foto Pixabay
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Hauskatzen - geliebte Stubentiger

Felis silvestris catus

Das Leben und dazu eine Katze, das ergibt eine unglaubliche Summe – ich schwör's euch.

(Rainer Maria Rilke)

 

 

Dass sich Katze und Hund feind seien, ist nicht zu bestätigen. Es gibt höchstens Sprachschwierigkeiten: Das Wedeln eines Hundes zeigt Freundlichkeit! Das Wedeln der Schwanzspitze einer Katze bedeutet höchste Erregung. Hebt ein Hund eine Pfote, ist es eher ein Willkommen, bei der Katze heißt es „hau ab!“ Es gibt auch sprachbegabte Katzen, die schlafen mit einem Hund in dessen Hütte, wie Paula – ein fast verhungertes schwarz-weiß geflecktes Wesen, das uns einmal bei einem Spaziergang durch Wald und Flur unentwegt gefolgt war, nicht wankte und wich, uns bis nach Hause folgte, dann ein Kilo Katzenfutter auf einmal verzehrte und am Abend wieder ihren Weg in die freie Natur erheischte. Morgens kam sie wieder, manchmal brachte sie eine Maus mit, die sie gegen Katzenfutter eintauschte. Wo sie immer übernachtete, erfuhren wir erst, als ihre Übernächtigungswirtin, eine schöne Afghanenhündin aus der Bäckerei gegenüber, mit ihrer menschlichen Familie zu Besorgungen wegfuhr und Paula (wir nannten sie so, weil sie schmal wie Paulchen Panter war) schnell noch die Straße überqueren wollte und ein Raser sie rücksichtslos überfuhr! Sie lebte noch, der Hinterleib war platt zusammengepresst und sie flehte jämmerlich um Hilfe. Eine mitleidige Seele erlöste sie schnell mit einem geübten Schuss. Nein, eine Katze hat keine neun Leben.

Und da war das Katerchen Bisquit, ein Tabby, der wie ein Hund knurrte, wenn es klingelte, der die Menschentoilette benutzte und sich nachts wie ein Schal um meinen Hals legte. Schalk, der rot-weiße Kater mit den 4 „weißen Socken“ und den bernsteingelben Augen, liebte es, im Waschbecken zu liegen und sich Wassertropfen auf den Kopf fallen zu lassen oder zu mir in die Badewanne auf meine Knie zu kriechen...und mir auch – weil er glaubte, eine Maus entdeckt zu haben - während des Schlafs so fest durch meine Decke hindurch in die große Zehe biss, dass sie blutete. Electra (eine Art Somali-Katze-Misch in der Farbe bleu-russe), liebte es, auch aus halb gekippten Fenstern auszubüxen – beispielsweise zur Küche hinaus – zum Wohnzimmerfenster wieder hinein. Jede unserer Katzen zeigte eine besondere Persönlichkeit, manches Mal in der persönlichen Haltung einer Statue der ägyptischen Katzengöttin Bastet gleich, der Tochter des Sonnengottes Re.

 

 

Daneben gibt es noch einen entscheidenden Unterschied zwischen Hunden und Katzen, den wir Menschen uns unbedingt merken sollten

 

Hunde kommen, wenn man sie ruft, Katzen nehmen deine Nachricht zur Kenntnis und kommen eventuell später darauf zurück. (Mary Bly )

 

Wie sind unsere Hauskatzen, die geliebten Stubentiger, eigentlich zu der Vielfältigkeit gelangt, wie wir sie heute kennen. Diese Frage hat auch schon Philosophen bewegt, wie z.B. den Philosophen und Mystiker Henry David Thorau: 

Was sind wir für Philosophen, wenn wir nichts von Ursprung und Bestimmung der Katzen wissen. Henry David Thorau (US-am. Schriftsteller, Philosoph und Mystiker)

 



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Wenn es auch nur einem schönen Aphorismus von Victor Hugo entspricht, dass Gott die Katze geschaffen habe, damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat, in dieser Weise empfinden zahlreiche Katzenfreunde.

 

Aber wir kennen die realistische Antwort:

 

 

Sie war es, denen unsere geliebten Stubentiger in allen ihren vielfaltigen Farben und , das Tier des Jahres 2018, die europäische Wildkatze

 

Felis silvestris silvestris - Foto Wikipedia - Fotograf Luc Viatour
Felis silvestris silvestris - Foto Wikipedia - Fotograf Luc Viatour

Wie unterscheidet nun der Laie die Wildkatze von der ihr oft sehr ähnlichen Hauskatze.

Der BUND hat hierzu eine sehr verständliche, übersichtliche Tabelle entworfen.

Tabelle des BUND

Merikmal  Willdkatze  Hauskatze
Fellfarbe 

grau, mit kremgelbem bis

ockerfarbigem Ton, weißer

Kehlfleck

glänzend, große Variabilität
 Fellmuster

 deutlich abgeschwächte,

verwischte Zeichnung

meist kräftig durchgezeichnet
Körperbau

plumper wirkend, da langhaarig,

dick

schlanker wirkend, da kurzhaarig

Läufe dünner

Kopfform

wuchtig, breite Schnauzenform

zarte schlanke Schnauzenregion

Schnurr- u.

Tasthaare

weiß, kräftig ausgebildet

schwächer ausgebildet, zuweilen

hornfarbig

Nasenspiegel

hell fleischfarben

meist dunkler

Ohr

klein wirkend, da längeres 

Kopfhaar

groß wirkend, da kürzeres Kopfhaar

Schwanz

stumpfendig, stark buschig, über

50 % der Körperlänge

kurzhaarig, spitzendig, über 50 %

der Körperlänge

Schwanz-

Musterrung

deutlich abgesetzte Ringe in der

hinteren Hälfte

helle Felder, silbergrau gefärbt, meist

nicht so scharf abgesetzt

Krallen

hell hornfarbig

hell oder dunkel hornfarbig

Hinterfüße 

schwarze Sohlenfleckung, 

sehr variabel

schwarze Sohlenzeichnung, 

meist bis zur Ferse

Foto Pinterest
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Nun wissen wir, was Wild- und Hauskatzen unterscheidet. Wir wissen aber auch, dass die Hauskatze als Heimtier weltweit in nahezu allen von Menschen besiedelten Gebieten vorkommt, als sog. Kulturfolger, kann aber auch als wildes bzw. verwildertes Tier leben, aber nur in klimatisch warmen oder gemäßigten Zonen, unabhängig von menschlicher Hilfe und Versorgung. Natürlich gehört sie zu den Carnivoren, ist also ein Fleischfresser, der – wie alle Säugetiere (inclusive des Menschen) - auf die Versorgung mit Retinol (Vitamin A1) angewiesen ist, kann allerdings nicht ß-Carotin in Retinol umwandeln und ist deshalb auf eine gute Versorgung mit Leber angewiesen, kann ebenfalls nicht Arachidonsäure nicht aus der Omega-6-Fettsäure Linolsäure synthetisieren und muss diese ebenfalls über die Nahrung aufnehmen.

 

 

Tabby - Foto Pinterest
Tabby - Foto Pinterest

Was ist uns weiterhin bekannt:

 

Hauskatzen sind im Durchschnitt 50 cm lang und vier Kilogramm schwer (mit Variablen), die männlichen Tiere sind meist größer und schwerer, in nördlicheren Hemisphären größer und schwerer. Die Hauskatze im “Wildtyp“ zeigt eine M-förmige Zeichnung auf der Stirn, von den Augen zur Seite gehende „Kajastriche“, dunkle Querstreifungen oder Tupfen bzw. einen „Aalstrich“ an den Körperseiten, ebenfalls dunkel gebänderte Beine, in den Farben grau-schwarz bis zu warmen Brauntönen, was insgesamt der Bezeichnung „Tabby“ entspricht. Neben dem Wildtyp haben sich auch noch viele andere Fellfarben herausgebildet; z.B. ganz schwarz, Streifen mit weißen Flecken, rot gefleckt oder Schildpattmuster. Artypisch für Katzen sind die aufrecht stehenden, im Ansatz Dreieck-förmigen, oben abgerundeten Ohren, die – unabhängig voneinander - gänzlich flach an den Hinterkopf angelegt (z.B. vor einem Angriff) und nach allen Seiten gedreht werden können. Die nach vorne gerichteten Augen ermöglichen ein räumliches Sehen.

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Als Kleinkatze ist sie ein typischer Zehengänger mit fünf Zehen an den Vorderfüßen (wovon eine keine Bodenhaftung hat), an den Hinterfüßen vier. Scharfe gebogene Krallen dienen zum Fangen und Halten der Beute, verschwinden aber in Ruhestellung in einer Hauttasche.  

Weniger bekannt:

 

Die Hauskatze ist ein Tier mit 38 Chromosomen, auf denen etwa 20.000 Gene geortet sind. Daher kann in er Forensik von ihr ein genetischer Fingerabdruck genommen werden. Das Skelett der Hauskatze verfügt über 230 Knochen, mit einem kurzen, kräftig gebauten Schädel, und nicht vollständig knöchern verschlossenen Augenhöhlen, der hintere Teil wird durch ein bindegewebiges Band verschlossen. Aus 7 Hals-, 13 Brust-, 7 Lenden-, 3 zum Kreuzbein verwachsenen und 20 bis 23 Schwanzwirbeln besteht die Wirbelsäule. Interessant, dass das Schlüsselbein nur aus einem in den Musculus brachiocephalicus eingelagerten Knochen besteht und mit dem übrigen Skelett nicht in Verbindung steht. Ein an der Innenseite gelegenes Loch zum Durchtritt der Arteria brachialis und des Nervus medianus befindet sich am unteren Ende des Oberarmknochens. Die kräftigen Hinterbeine beweisen, dass sie eher auf das Sprinten und Springen ausgerichtet sind, als auf ein ausdauerndes Laufen, was der Katze als Ansitzjägerin sehr nützlich ist.

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Typisch für die Fleischfresserin:

Kräftige Kiefermuskeln, scharfe Zähne mit kräftig ausgebildeten Reißzähne (an der Basis mit Drucksensoren) ermöglichTypisch für die Fleischfresserin:

Kräftige Kiefermuskeln, scharfe Zähne mit kräftig ausgebildeten Reißzähne (an der Basis mit Drucksensoren) ermöglicht.

 

en das Kauen und Zerkleinern von kleineren Knochen. Zum Beutefang, zum Festhalten und Tragen der Beute dienen die Eckzähne, wie auch im Einsatz bei Revierkämpfen, können aber auch einem friedlichen Unterfangen dienen, wie z.B. der Fellpflege – zu der auch oft die Zunge verwandt wird mit ihren verhornten, nach hinten gerichteten Papillen, in denen sich die losen Haare verfangen. 

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Der Sehsinn (auch Gesichtssinn) der Katzen ist explizit auf die Wahrnehmung von Bewegungen spezialisiert, kann dabei die Entfernungen exakt einschätzen. Detail- und Schärfewahrnehmungen sollen eher durchschnittlich sein. Bei einer effizienten Jagd hilft ihr das feine Gehör mit der Funktion des Richtungshörens zum Auffinden der Beute. In der Dunkelheit benötigt sie nur ein Sechstel der Lichtmenge im Verhältnis zum Menschen, um ein Bild zu erkennen. Ihr Sichtwinkel beträgt 200 bis 220°, bei abnehmender Helligkeit werden die Pupillenschlitze kreisrund, um das Restlicht besser einfangen zu können, gleichzeitig nimmt die Sehschärfe ab. Grün und Blau wird von den Katzen sehr gut wahrgenommen und unterschieden (Katzen-Lieblingsfarbe ist Blau), Rot können sie wie Hunde nicht als solches wahrnehmen, eher wahrscheinlich als eine Art von Gelb. Mit ihrem Geschmacksinn können sie salzig, sauer, bitter und herzhaft/proteinreich unterscheiden, aber süß – im Gegensatz zu den Hunden – nicht erkennen. Sie können den Geschmacks- und Geruchssinn durch Erkältungen verlieren (ist zu beheben mit Baby-Nasentropfen – je ein Tröpfchen in ein Nasenloch).

Entgegen der landläufigen Meinung sind Katzen keine Einzelgänger. Sie können auch in Rudeln zusammenleben und zeigen dann ein durchaus soziales Verhalten. Das war bei unseren fünf Katzen festzustellen. Ich wunderte mich immer, wieso sie immer aus ihrem „Katzenzimmer“ ausbrechen konnten. Bis ich mich zu ihnen zurückzog und sie beobachtete: Electra legte sich auf die Türklinke, die anderen pfötelten dann die Tür auf... ganz einfach. Das resultiert aus ihrem Lern- und Erinnerungsvermögen, die sie auch willig, wenn sie ausschließlich im Haus gehalten werden, die Katzentoilette benutzen lässt.  

Abessinier-Katze - Wikipedia: Fotografin  Brigitte von Sczcawinski
Abessinier-Katze - Wikipedia: Fotografin Brigitte von Sczcawinski

Vor 9 Millionen Jahren sollen die Vorfahren der Kleinkatzen der Alten Welt – zu denen auch die Wildkatze (Felis silvestris) gehört – erschienen sein. Nach allen Forschungsergebnissen kam die Forschung zu dem Schluss, dass letztlich der Urahn der domestizierten Hauskatze von allen Unterarten der Felis silvestris die weniger aggressive afrikanische Falbkatze Felis silvestris lybica sein soll, (ähnlich dem Aussehen der Abessinier-Katze), die schon von den Ägyptern als Haustier gehalten wurde. Herodot berichtet in seinen Historien II (66-67) folgendes:

 

 

...Wenn in einem Hause eine Katze stirbt, scheren sich alle Hausbewohner die Augenbrauen ab. ...Die toten Katzen werden nach der Stadt Bubastis gebracht, einbalsamiert und in heiligen Grabkammern beigesetzt.“ 

Charline the cat and her kitten - Foto pinterest
Charline the cat and her kitten - Foto pinterest

Wie alt werden Katzen:

 

Bei frei laufende Katzenpopulationen ohne menschliche und medizinische Betreuung liegt die Lebenserwartung einer Katze zwischen 1,4 und 3,2 Jahren (männlich) bzw. 3,3 und 4,2 Jahren (weiblich).

Im Haus gehaltene Katzen erreichen bei Pflege durch den Menschen 15-20 Jahre, gelegentlich auch ein höheres Alter. Es gibt Literaturen, die sogar von einem Alter von 36 Jahren berichten bzw. von 38 Jahren wie die Katze „Creme Puff“ aus Austin/Texas: Sie war geboren am 3. August 1967 und verstarb am 6. August 2005 im Alter von 38 Jahren und drei Tagen.

 

Was sonst noch zu den „liebevollen Leihgaben der Natur“ (Elvira von Ostheim) gesagt werden soll? Treffend drückt es das Universalgenie Leonardo da Vinci aus:

 

 

Das kleinste Katzentier ist ein Meisterstück.