Gestatten, mein Name ist Grabowski

Zwar bezeichnet man mich als blind, aufgrund meiner meist unterirdischen Lebensweise. Nein blind bin ich nicht (mit kleinen Knopfaugen ausgestattet, mit denen ich hell und dunkel unterscheiden kann), ich, ein Europäischer Maulwurf (Talpa europaea), ein Säugetier, zu der Familie der Maulwürfe gehörend, in der Ordnung der Insektenfresser und gehöre damit zu den einzigen in Mitteleuropa heimischen Vertretern der großen Familie der Maulwürfe.  

Sicher bewundern Sie meine großen Grabhändchen mit den fünf rosa Fingern an meinen Vorderbeinen, mit denen ich es wunderbar verstehe, mir mein unterirdisches Reich zu schaffen, das bis zu 2 km betragen kann, etwa 7 m Gang pro Stunde . Dass es dabei unter Umständen in Ihrem gepflegten Rasen zu kleinen Erdhügeln kommt, sollte Ihnen keinen Verdruss bereiten; denn ich gehöre zu den sog. „Nützlingen“. Wenn Sie fragen „inwiefern?“ kann ich ganz erstaunliche Antworten bieten: Wo ich bin, gibt es keine Wühlmäuse. Sie meiden mich. Ich muss täglich sehr viel Nahrung zu mir nehmen, täglich die Menge meines Gewichtes, damit ich in einem Jahr das Dreihundertfache meines Eigengewichts erreiche. So stehen, neben Regenwürmern, auch Engerlinge, Spinnen, Käfer, Asseln und Schnecken auf meiner Speisekarte. Gelegentlich verirren sich auch Frösche, Blindschleichen und anderes Getier in mein Reich, auch sie werden in meinen Speiseplan aufgenommen. Ich lege mir auch Reserven an, auf Frische lege ich großen Wert, die erhalte ich durch Regenwürmer, denen ich nur den Kopf abbeiße, damit sie nicht fortkriechen können, eine gute Voraussetzung für eine effektive Vorratshaltung besonders im Winter, in dem ich mich tief in den Wohnkessel unter der Erde zurückziehe, Durch meine Tag- und Nachtaktivitäten muss ich mein Leben einem strengen Rhythmus unterwerfen: Vier bis fünf Stunden graben und fressen. Danach zwei bis drei Stunden schlafen und dann wieder graben und fressen. Nur in Zeiten großer Trockenheit muss ich über der Erde jagen, aber nur in der Nacht.

Im Übrigen liebe ich mein einsames Leben, man nennt mich einen eigenbrötlerischen, griesgrämigen Einzelgänger, dabei mag ich es nur nicht, wenn jemand meine Kreise stört, erst recht nicht, wenn seine Gänge meine tolle Anlage kreuzen, dann werde ich sehr böse und scheue auch keinen Kampf. Als Vorbeugung sondere ich ein Drüsensekret ab, das Artgenossen fern halten soll. Besonders im Frühjahr, wenn ich mir zwecks Fortpflanzung eine Maulwurfdame aussuche, verteidige ich mein Revier, ein besonders großer, weich ausgepolsterter Wohnkessel von etwa 2 Metern Durchmesser wird zuvor gegraben, der viel Platz für die Dame und die zwei bis fünf nackten Jungen bietet (Tragzeit 4 Wochen). Die Mutter versorgt die Kleinen selbst, die nach 3 Wochen den ersten Ansatz des bekannten weichen Maulwurfpelzes zeigen, zu dieser Zeit öffnen sie auch ihre Augen. Erstaunlich, dass sie nach vier bis fünf Wochen schon selbständig werden und kurze Zeit danach auch die Wohnhöhle und das mütterliche Revier verlassen. Bereits im selben Jahr sind die Jungen schon fortpflanzungsfähig.  

Maulwurf mit den sog. "Eimer'schen Tastkörperchen"
Maulwurf mit den sog. "Eimer'schen Tastkörperchen"

Haben Sie mich einmal genau angeschaut? Ich habe eine walzenförmigen Körper von 15 bis 16 cm Länge, kleine Knopfaugen, die in meinem samtweichen, fast schwarzen Fell kaum sichtbar sind, meine Ohren haben keine Ohrmuscheln, die in den unterirdischen Gängen meines Reviers, das ich manches Mal mit bis zu 6 km pro Stunde durcheile, nur stören würden. Nicht nur meine großen Grabhände sind für mich von großer Wichtigkeit, sondern auch meine lange Schnauze mit den empfindlichen Eimer'schen Tastkörperchen mit denen ich mehr erfassen und ertasten kann, als es mir Augen in der großen Dunkelheit je erlauben würden. Ja, ich bemerke jede Erschütterung mit meinen feinen Ohren, wenn mir die Erschütterungen zu bunt werden, ziehe ich aus und baue mir in Windeseile ein neues Gangsystem; denn ich kann das Zwanzigfache meines Körpergewichts nach oben drücken, bei weicher Erde gelingt es mir, pro Minute einen 20 cm langen Gang zu graben, d.h. Ich bewege in 20 Minuten bis zu 6 kg Erde!

Ob ich Feinde habe? Oh, ja, Störche, Katzen, Reiher – ich muss schon aufpassen, wenn ich mich oberirdisch zum Jagen aufhalte.

 

Ich weiß von meinem Vorfahren, dass Menschen sie aus Dummheit gejagt haben: Sie dachten wir seien gefährlich und würden Wiesen, Feldern und Gärten Schaden zufügen. Sie jagten und erschlugen uns und bekamen Fangprämien wenn sie unsere Pelze abgaben. Aber bedenken Sie, wie günstig die ausgeworfene Erde meiner Gänge ist, die Erde der Maulwurfshügel ist frei von schädlichen Käferlarven und Engerlingen, ist sehr feinkrümelig, geeignet für die Terrarien der Landschildkröten oder zur Aussaat von Blumen und sie ist zudem ein Zeichen, dass in meinem Revier die Böden noch gesund sind. Es ist auch nicht mehr erlaubt, uns zu jagen oder zu töten, uns schützt das Tierschutzgesetz.  

Wenn meine Reise in dieser Welt einmal zu Ende geht, habe ich evtl. das biblische Maulwurfsalter von 5 bis 7 Jahren erreicht..

Als Krafttier möchte ich Sie auf meiner unterirdischen Reise mitnehmen, ich möchte Sie erden und sie dazu ermuntern, Ihre Auge zu schließen, dann werden Sie möglicherweise feststellen, dass Sie auch Ihren Weg finden, wenn Sie nichts sehen und dass sich Ihnen neue Wege eröffnen. Aber ich als Krafttier kann noch mehr: Ich grabe um und bringe ans Tageslicht, was viel zu lange unten lag, was nicht mehr gebraucht wird oder vielleicht auch näher betrachtet werden sollte. Vertrauen Sie sich dem Krafttier Maulwurf und der Erde an, wenn sie neue Wege entdecken oder sich welche freischaufeln wollen.