Foto Pixabay
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Geheimnisvolle Einzelgänger

mit Pinselohren und breiten Pfoten

Die Eurasischen Luchse (lynx lynx)

Sie scheinen ständig zu lächeln, die größten der europäischen (Klein-)Katzenarten, mit dem eindrucksvoll gefleckten Fell, dem imposanten Backenbart und den trittsicheren breiten Pfoten. Die Kopf-Rumpf-Länge zwischen 80 und 120 cm und die Schulterhöhe von 50 bis 70 cm beweisen, dass der Luchs als größte Wildkatze Europas zu bezeichnen ist. Eine Besonderheit: Ohne Kopf und Hals entspricht die Rückenlänge der Schulterhöhe, was den Körperbau quadratisch wirken lässt.

 

Wie Braunbär und Wolf wurde auch der Luchs seit Jahrhunderten verfolgt, seit dem Spätmittelalter begannen seine systematische Ausrottungsversuche, so dass seine Art zu Beginn des 20.Jahrhunderts weitestgehend aus West- und Mitteleuropa verschwunden war. Doch der Luchs wanderte seit etwa 1950 wieder aus den angrenzenden Siedlungsgebieten ein (oder wurde auch wieder angesiedelt). Heute ist der Eurasische Luchs sowohl wieder in den Alpen, in den Vogesen, im Harz, im Jura, im Pfälzer Wald, als auch im Bayrischen Wald, im Fichtelgebirge, dem Böhmerwald, im Rothaargebirge als auch im Spessart wieder anzutreffen, obwohl er in Deutschland lt. den Angaben des Bundesamtes für Naturschutz nach wie vor als stark gefährdet gilt (Status 2).

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Bemerkenswertes: Die Vorderbeine sind um 20 Prozent kürzer als die Hinterbeine, die breiten Pfoten verhindern das Einsinken im Schnee, sie sind mit einer Breite vom 5 bis 7 cm der Trittspur der Vorderpranken und einer von vier bis 6 cm für die Hinterpranken etwa 3 x so groß wie die der Hauskatze. Die normale Schrittlänge beträgt etwa 40 bis 100 cm, beim schnellen Sprint etwa 150 cm, es fehlen allerdings, anders als bei Fuchs und Hund, die Krallenabdrücke; denn während des Laufens ziehen die Tiere ihre Krallen in die Hauttaschen zurück. 

Foto Wikipedia c) Thomas Westphal
Foto Wikipedia c) Thomas Westphal

Zum Gewicht:Je nach Region wiegen männliche Luchse durchschnittlich zwischen 20 und 25 kg, besonders leichte Tiere erreichen dagegen nur 14 kg, besondere „Prachtexemplare“ wiegen sogar bis zu 37 kg, die „Damen“ sind im allgemeinen bis zu 15 Prozent leichter als männliche Tiere mit einem Durchschnittsgewicht von 15 bis 20 kg, Extremwerte liegen bei ca.12 kg bis 29 kg. Der Schwanz mit der schwarzen Spitze scheint sehr kurz geraten zu sein, mit seinen 14 bis 25 cm.

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Welche Befugnis haben allerdings die bis zu 5 cm langen Haarpinsel an den spitzen, eindeutíg dreieckigen Ohren an dem rundlichen Kopf? Sie verstärken die Fähigkeit, Lautquellen zu orten: Luchse können – wie es Untersuchungen bewiesen haben - das Rascheln einer Maus im Laub bis zu 50 m Entfernung noch wahrnehmen und sie hören ein vorbeiziehendes Reh noch in 500 m Entfernung. Wozu der ausgeprägte Backenbart dient, den die Luchse weit abspreizen können, ist noch nicht restlos geklärt. Man rätselt darüber, ob die Luchse damit ihre Stimmungen gegenüber Artgenossen ausdrücken oder der Backenbart gar als Reflektor für Schallquellen dient, bedarf ebenfalls noch der endgültigen Klärung. 

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Mandelförmig geschnitten, nach vorne orientiert, von goldgelb bis gelbbraun bzw. ocker reicht das Farbenspiel des wichtigsten Organs des Luchses, das der Augen. Sechsmal so lichtempfindlich wie das menschliche Auge, befähigen sie ihn zur dämmerungsaktiven bzw. nachtaktiven Jagd, sein Geruchssinn spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. 

28 Zähne bilden das vollständige Gebiss eines Luchses: Je drei Schneidezähne auf beiden Seiten des Ober- und Unterkiefers, je ein stark ausgebildeter Eckzahn mit sog. „Dolchrillen“, zwei Vorbackenzähne bzw. Prämolaren sowie ein Backenzahn/Molar. gelegentlich ist im Unterkiefer ein- oder beidseitig ein zusätzlicher Backenzahn ausgebildet. 

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Das Fell des Eurasischen Luchses verändert die Farbe je nach Jahreszeit: Im Sommer rötlich bis gelbbraun, im Winter grau bis grau-braun. Kinn, Kehle Brust, Bauchseite, Innenseite der Läufe zeigen eine weißlich-graue bis cremeweiße Farbe. Individuell verschieden ist die Fell-Fleckung, sie kann auch vollständig fehlen. Weiterhin zeichnet eine dichte Unterwolle mit darüber liegenden fünf bis sieben cm langen Grannenhaaren das Winterfell aus und gehört somit zu den dichtesten Fellen im Tierreich. Dieses dichte Fell, seine Hochbeinigkeit und geringe Flächenbelastung durch die breiten Pfoten erlauben des dem Luchs auch noch bei Schneelagen von 50 cm Höhe, erfolgreich zu jagen, nur noch höhere Schneemassen veranlassen ihn, sich auf weniger schneereiche Regionen zurückzuziehen. 

Interessant: Luchs-Reviere decken sich im Großen und Ganzen nicht mit Wolfsrevieren. Es wurde beobachtet, dass in Gebieten, in denen die Wolfspopulationen abnahmen, sich die Luchse vermehrten!

Luchs- Lebensräume

Hochgebirge, Wald mit Altholz, Heide, Sümpfe

Das Beutespektrum des Eurasischen Luchses reicht von Rehen und Gämsen, die etwa 80% der Ernährung ausmachen, über Rotfüchse, Marder, junge Wildschweine, Kaninchen, Eichhörnchen, Mäusen und Ratten bis zu Murmeltieren, in manchen Gegenden jungen Feldhasen und Rothirschkälbern, Fischen und sogar Wolfswelpen, Aas wird selten aufgesucht, aber die geschlagene Beute wird in ihrem Versteck immer wieder bis zum vollkommenen Verzehr aufgesucht. Wie bekannt, jagen Luchse in der Dämmerung und in der Nacht und ruhen des Tags in ihren Verstecken. Während der Ranz-Zeit, sind sie gelegentlich auch tagsüber zu beobachten Allerdings sind sie öfters - während der Aufzucht der Jungtiere oder wenn die Beute rar ist - gezwungen, auch am Tage zu jagen. 

Dieser Überraschungs- und Lauerjäger, der während der Jagd durchschnittlich 10 km zurücklegt, schlägt seine Beute vorwiegend an häufig begangenen Wildwechseln. Nach Katzenart lauert er auf, schleicht sich an, springt anschließend an in einem kurzen Spurt. Meist unter 20 m und kann dabei eine Geschwindigkeit von 70 km/h erreichen, begünstigt durch die langen Hinterbeine, die die Länge der Vorderbeine übertreffen. Dann wird die Beute durch einen Kehl-Biss erstickt. Entkommt ein Beutetier dem Angriff, wird es bestenfalls auf eine kurze Strecke verfolgt, das getötete Beutetier wird anschließend unter Blättern und Ästen versteckt, und wird von dem Luchs mehrmals aufgesucht, um den Hunger zu stillen, dabei nimmt er zwischen 1 bis 2,7 Kilo Fleisch pro Mahlzeit auf (ein etwa 25 kg schwerer Luchs benötigt etwa 1,1 kg an reinem Fleisch).

Foto Pinterest - Fotograf Don Johnson
Foto Pinterest - Fotograf Don Johnson

Nur in der Paarungszeit finden zwischen Februar und April die Paare zusammen, Weibchen beteiligen sich schon im zweiten Winter an der Ranz, männliche Tiere suchen erst im 3. Winter deckungsbereite Weibchen.

 

Die Einzelgänger erregen die Aufmerksamkeit potentieller Partner durch das Absetzen stark riechenden Urins und markieren dadurch das Kerngebiet ihrer Reviere besonders intensiv, besonders in Nasenhöhe der Luchse auf Steinen oder Wurzelstöcken. Laute Ranzrufe sind in dieser Zeit häufig zu hören, einem lang gezogenen „Ouh“ gleich.

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Findet ein Luchs-Herr eine paarungsbereite Luchs-Dame hält er sich mehrere Tage in ihrer Nähe auf und kämpft auch gegen andere männliche Luchse, die u.U. sich ebenfalls einfinden, um das Paarungsvorrecht. Bei der Paarung (der Kuder – männliche Luchs springt nach Katzenart von hinten auf) verbeißt sich der männliche Luchs im Nacken der Katze, die Paarung dauert etwa 3 Minuten und findet mehrmals am Tage statt. Die Luchsin paart sich während der Ranzzeit grundsätzlich nur mit einem Männchen, die 3 bis 5 Jungen werden nach einer Tragzeit von 73 Tagen an einem geschützten Platz geboren, etwa in einer Felshöhle oder unter einem Wurzelstock, mit einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis. Bereits behaart, aber noch blind kommen die kleinen Luchse zur Welt, mit einem Geburtsgewicht zwischen 240 und 300 g. Nur die Mutter betreut die Kleinen, die erst nach 16 bis 17 Tagen die Augen öffnen und dann erst sozusagen das Licht der Welt erblicken. Aber in einem Lebensalter von 4 Wochen beginnen sie bereits an der Beute der Mutter mitzufressen und werden maximal bis zu einem Alter von 5 Monaten von der Mutter gesäugt und bleiben bis zum Frühjahr bei der Mutter. Dann brechen sie auf, um ihr eigenes Revier zu finden. Die Geschlechtsreife erreichen weibliche Jungtiere schon im 21. Lebensmonat, die männlichen Jungluchse sind dagegen erst mit 33 Monaten fortpflanzungsfähig. 

Hoch ist die Sterblichkeit der Jungtiere. Während erwachsene Luchse kaum durch andere Raubtiere gefährdet sind, fallen Jungtiere Braunbären, Wölfen, gelegentlich Füchsen und im nördlichen Europa den Vielfraßen (Marderart) zum Opfer.

 

Doch weniger ist die hohe Sterblichkeitsrate der Jungluchse durch Fressfeinde bedingt, als durch Verkehrsunfälle oder virale und bakterielle Krankheiten, unter denen diese Katzenartigen ebenfalls wie die gewöhnlichen Hauskatzen leiden. Die beste Überlebenschance für einen Luchs ist die Tatsache, dass es ihm gelingt, nach der Trennung von der Mutter ein unbesetztes Revier zu finden; in diesem Fall kann man von einer Lebenserwartung von etwa 15 Jahren ausgehen (in Gefangenschaft bis zu 25 Jahren).

Die Art steht unter internationalem Schutz (Berner Konvention, Bonner Konvention, die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien der Europäischen Union (Anhänge II und IV) und CITES. Deshalb ist die Jagd auf Luchse in den meisten europäischen Staaten verboten oder streng reguliert, wie z.B. in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Streng geschützt (wie der Wolf) ist der Luchs in Deutschland durch das Bundesnaturschutzgesetz, die illegale Tötung eines Luchses kann als Straftat mit einer Freiheitsstrafe bis zu 5 Jahren geahndet werde, doch das größte Problem in Mitteleuropa zeigt sich in der Wilderei, die insbesondere im Balkan zu einer dramatischen Rückgang der Luchspopulation geführt hat, vom Balkanluchs gibt es nur noch 20 bis 40 erwachsene Exemplare in Albanien und Mazedonien.

Der Gesamtbestand in Europa beläuft sich auf etwa 7000 Tiere und somit ist der Erfolg der Wiederansiedlung in West- und Mittel-Europa nicht gesichert, die Zeit wird es zeigen, ob die Population dieser bemerkenswerten Mitgeschöpfe auf lange Frist überlebensfähig ist. 

In der Symbolik weist der Luchs auf das Bedürfnis nach Freiheit hin, macht auf innere Angst und Unsicherheit aufmerksam, er will als Einzelgänger unsere Qualitäten als Eremiten prüfen, mit seiner Hilfe schaffen wir es, endlich unseren Weg alleine und ohne Hilfe zu gehen. Wir sollen uns auf unsere Sinne verlassen und von von unserer Seele führen lassen, sie kennt den richtigen Weg zur Quelle.