Gedanken zum 9. November

Speziesismus, die Ursache allen Übels


 Speziesismus […] ist ein Vorurteil oder eine Haltung der Voreingenommenheit zugunsten der Interessen der Mitglieder der eigenen Spezies und gegen die Interessen der Mitglieder anderer Spezies.“
Peter Singer

 (...) Die stets wiederkehrende Aussage Wilde, Schwarze, Japaner glichen Tieren, etwa Affen, enthält bereits den Schlüssel zum Pogrom. Über dessen Möglichkeit wird entschieden in dem Augenblick, in dem das Auge eines tödlich verwundeten Tiers den Menschen trifft. Der Trotz, mit dem er diesen Blick von sich schiebt - "es ist ja bloß ein Tier" - wiederholt sich unaufhaltsam in den Grausamkeiten an Menschen, in denen die Täter das "nur ein Tier" immer wieder sich bestätigen müssen, weil sie es schon am Tier nie glauben konnten. (…)


Theodor W. Adorno (Aus: Minima Moralia)

Herschel Grynsppan,8.Nov.1938, Bundesarchiv
Herschel Grynsppan,8.Nov.1938, Bundesarchiv

Vorurteile und Verurteilung – Ausgrenzung und Abgrenzung - Mechanismen, deren sich das anmaßende Wesen Mensch bedient, um die eigene Persönlichkeit, eine spezielle (religiöse, politische) Gruppe, eine Partei, ein Volk, eine Rasse in ihrer vermeintlichen höheren Wertigkeit hervorzuheben. Dies impliziert schon im Voraus die Unterdrückung des Andersdenkenden, Andersartigen. Das Geschöpf, das seinen enormen Aufstieg im Laufe der Evolution im Grunde seinem aufrechten Gang und der beeindruckenden Fähigkeit zur Kommunikation, nämlich dem menschlichen Sprachvermögen, verdankt, bedient sich offenbar immer noch eines primitiven ursprünglichen „Saurierreflexes“ („tritt nicht auf mein Land, über meine Grenze“), der im menschlichen Hirn dann ausgelöst wird, wenn eine fiktive Bedrohung durch vermeintliche „Feinde“ - in welcher Weise und mit welchem Ziel auch immer - suggeriert wird, die, unter Einsatz aller zu Gebote stehenden Mittel, bis zum Exzess bekämpft wird und oft – zu oft – in Tod und Vertreibung gipfelt, angefangen von den Vertreibungen und Bekämpfungen der Ureinwohner Amerikas durch die europäischen Eroberer/Einwanderer, aber noch schrecklicher und mahnender zugleich steht hierfür das Entsetzen über den staatlichen Antisemitismus des NS-Regimes mit menschenverachtender Grausamkeit gegen die jüdischen Mitbürger, die in Progromen mündete; beginnend mit der Reichsprogromnacht (vom 09. auf den 10. November), ausgelöst durch das Attentat des 17jährigen Herschel Grynszpan an dem bis dato fast unbekannten Legationssekretär Ernst Eduard vom Rath am 7. November 1938 in Paris (nach Angaben des Attentäters aus Rache für die Leiden seiner Eltern bei deren gewaltsamer Abschiebung), der am 09. November seinen Verletzungen erlag, ...... einen Krieg im Gefolge, der nicht nur Verursacher und Opfer fast gleichermaßen vernichtend traf, sondern ganz Europa in Tränen, Blut und Tod stürzte.  

KZ-Insassen, Bundesarchiv
KZ-Insassen, Bundesarchiv
Tausende von Geldbeuteln v. KZ.-Insassen
Tausende von Geldbeuteln v. KZ.-Insassen

Wenn Schlachthäuser Wände aus Glas hätten, wäre jeder Vegetarier (Sir Paul McCartney)

Täglichen Progromen sind unsere Mitgeschöpfe ausgesetzt, Lebewesen älter in der Entstehungsgeschichte als die Menschheit, empfinden aber - nach Charles Darwin - ebenso wie der Mensch „..Freude und Schmerz, Glück und Unglück; sie werden durch dieselben Gemütsbewegungen betroffen. ..“ „Schlachthäuser“, sagt die große, alte Dame des Tierschutzes Brigitte Bardot, „ erinnern an Nazi-Camps“!   

Der anmaßende Mensch wagt auch hier in einem täglichen Massaker, zwischen Haus- und Nutztieren zu unterscheiden, die Einen zu hätscheln, die Anderen Folter und Tod zu überantworten, in Deutschland unter Ausklammerung des Tierschutzgesetzes, die Christen unter ständigem Verstoß gegen das 5. Gebot des Dekalogs:“Du sollst nicht töten.“ Der Speziesismus der Leichenfresser unserer modernen Gesellschaft fügt der Mitwelt unendliches Leid zu in der gnadenlosen Tötung und dem Verzehr (lt. Wilhelm Busch „nach Art der Kannibalen..“) unendlich gefühlvoller, verständnisvoller Wesen, die in der bedrängenden Enge der Massentierhaltung ein schreckliches Dasein fristen. Geschredderte lebende männliche Küken, die ihren Müttern geraubten Kinder (Ferkel, Kälber, Lämmer, Küken..) und die den Kindern geraubten Mütter (Schweine, Kühe, Schafe, Hühner...) bilden täglich eine endlose Straße mit Strömen von Blut, ihr Tod und ihr Verzehr durch den Menschen schaffen die Basis für ernsthafte und schmerzhafte Krankheiten; denn Tod bringt kein Leben. Der Beweis: Vegetarier leben im Durchschnitt 7 bis 15 Jahre länger als Fleischesser; denn der hemmungslose Fleischverzehr bildet die Hauptursache für die sog. Zivilisationskrankheiten, wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, dementielle Syndrome, Schlaganfälle, Diabetes, Gicht, Arthrose usw. bis hin zu Krebs...

Friedhof der Kuscheltiee
Friedhof der Kuscheltiee
Friedhof der sog. "Nutztiere"
Friedhof der sog. "Nutztiere"

Dies bedeutet einen Krieg gegen den eigenen Körper und zugleich einen Krieg gegen unseren Mutterplaneten; denn der Methanausstoß der riesigen Tierherden der Erde verursacht mehr CO² als alle Flugzeuge und Autos der Welt zusammen und trägt verheerend zum Klimawandel bei. Vegetarische Ernährung schont ganz nebenbei auch die Wasserressourcen: Die Produktion eines Kilo Fleisches benötigt 20 Badewannen Wasser, die von Getreide dagegen nur eineinhalb Badewannen...Bedenkenswert!


Das Staunen der Lämmer c) Tommaso Ausili 2010
Das Staunen der Lämmer c) Tommaso Ausili 2010
Deutsche Soldaten 1943, Foto c) Koch, Bundesarchiv
Deutsche Soldaten 1943, Foto c) Koch, Bundesarchiv

„Gerechter Gott! Aus wieviel Marterstunden der Tiere lötet der Mensch eine einzige Festminute für seine Zunge zusammen!“ (Jean Paul, deutscher Schriftsteller, 1763 – 1825)