Hallo - ich bin das Wildtier des Jahres 2021 - ein Fischotter

Ein Marder, angepasst an das Wasserleben

Der Fischotter, ein Alleskönner

Fischotter (Lutra lutra)

 

Doppelt so lange wie der Mensch existieren sie bereits auf diesem Planeten, jene Landraubtiere, die sich gleichermaßen zu Wasser und zu Lande bewegen, die Fischotter. Vom Aussterben sind sie bedroht, deswegen hat man sie zum Wildtier des Jahres 2021 „auserkoren“.

Wegen ihres schönen Pelzes hat man sie gejagt und vernichtet. Jetzt beschweren sich Angelvereine über den Verlust von Fischen. Dabei braucht heutzutage kein Mensch einen Pelz, und es fehlt ihm auch nichts, wenn er keinen Fisch isst.

 

Nun sind sie wieder zurück, die possierlichen Marder, die sich fischgleich behend in den Wassern bewegen ...

Fischotter gehören zur Familie der Marder, die sich vor etwa 38 Millionen Jahren in verschiedene Linien aufspalteten.

 

Der schlechte Ruf des schnellsten Schwimmers unter den Landraubtieren (Kopf-Rumpf-Länge 90 cm, Schwanz 40 cm, dieser im Querschnitt rund und muskulös, dient als Steuer- und Stabilisierungsorgan, Schulterhöhe 25-30 cm, Gewicht ausgewachsen bis zu 12 kg, im Schnitt weiblich ca. 7,4 kg, männlich etwa 10,4 kg ) rührte aus dem Mittelalter: aus jagdlichen Märchen (sie würden Jagdhunde unter Wasser ziehen), aus Hirtensagen (sie würden Lämmer töten) und später die Gier nach den dichten wärmenden und wasserabweisenden Pelzen, aus den Mützen, Schals, Handschuhe und Pelzbesatz an Mänteln gefertigt wurden.  

Den gestreckten walzenförmigen Körper bewegt der Fischotter auf kurzen Beinen, der rundliche stumpfschnauzige Kopf ist an der Schnauze mit langen Tasthaaren versehen, ein wichtiges Sinnesorgan, um sich in trübem Wasser zurechtzufinden. Zusätzlich erleichtern die Schwimmhäute zwischen seinen Zehen das Schwimmen in den Gewässern. Der hellbraune Pelz des Fischotters (der mit fortschreitendem Alter sich an Brust und Kehle weiß verfärbt) sorgt aufgrund der ungewöhnlichen Struktur seiner Haare für eine äußerst wirkungsvolle Isolation gegen Nässe und Kälte Ähnlich der Verzahnung eines Reißverschlusses sind die Haare durch mikroskopisch kleine ineinander greifende Keile und Rillen miteinander verzahnt, so dass ein außerordentlich dichtes Pelzgeflecht entsteht, das nicht nur isolierende Luftblasen festhält, sondern auch gleichzeitig Wasser abweist. Auf diese Weise bleibt die Haut des Otters trocken, der Körper warm; denn im Gegensatz zu anderen am und im Wasser lebenden Tieren – wie Wale, Delphine, Eisbären und Seelöwen – verfügt der Fischotter über keine dicke isolierende Fettschicht. Aber 80 bis 100 Millionen Haare schützen den Körper des Marders vor einem Wärmeverlust (das sind 60000 bis 100000 pro Quadratzentimenter). Nur langsam vollzieht sich bei dem Tier der Haarwechsel, interessant, dass er sich in 10 % seiner Wachzeit mit der Fellpflege beschäftigt.  

Fast in ganz Europa lebt der Fischotter mit wenigen Ausnahmen, fehlt z.B. in Island und den Inseln des Mittelmeeres, hat aber schon die Gebirge bis zu 2500 m Höhe erobert. In Asien ist er bis zum Polarkreis und darüber hinaus zu finden, meidet allerdings die zentralasiatischen Steppen und Wüsten. Auf Japan lebt er und ist bis zu den Sundainseln zu finden und kommt außerdem im westlichen Nordafrika (Marokko, Algerien) vor. In seinen Verbreitungsgebieten ist er jedoch in vielen Regionen bedroht, in der Schweiz gilt er sogar seit 1989 als ausgestorben. In Mitteleuropa finden sich noch größere Bestände in Tschechien, im Bayrischen Wald, im Osten Deutschlands sowie in Österreich in kleinen Populationen. Kurz vor der Ausrottung stand er in Frankreich, die Bestände nehmen allerdings seit der Unterschutzstellung im Jahre 1973 allmählich wieder zu.  

Klare fischreiche Gewässer, flache Flüsse mit zugewachsenen Ufern und Überschwemmungsebenen zählen zu den bevorzugten Habitaten der schwimmenden Marder. Das Fehlen dieser Gebiete und die starke Bejagung haben dazu geführt, dass die Otter in manchen Gebieten entweder extrem selten geworden sind oder sogar ganz verschwanden. Die glückliche Fügung: Fischotter kommen mit allen Arten von Süßwasser-Lebensräumen zurecht, solange sie – wie schon erwähnt – klar und fischreich und mit Versteckmöglichkeiten entlang der Ufer ausgestattet sind. Auch im Salzwasser kommen Fischotter vor, wie an den Küsten Deutschlands (z.B. Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft), in Skandinavien und Schottland.  

So lieben Fischotter ihre Wohn- und Jagdplätze
So lieben Fischotter ihre Wohn- und Jagdplätze

Ihre Lebensweise, die keine einheitliche ist, passen die Fischotter der Umgebung und Landschaft, ihren individuellen Neigungen an, um möglichst gut überleben zu können. Tag- und nachtaktiv ruhen sie am Ufer und bewegen sich zur aktiven Zeit im Wasser als gute Schwimmer und Taucher,. Wenn sie nicht gestört werden bleiben sie bis zu 8 Minuten unter Wasser, während des Schwimmens ragen Kopf und Hals aus dem Wasser, während der restliche Körper unter Wasser bleibt. Seinen Bau gräbt der Fischotter in das Ufer, mit einem Eingang etwa 50 cm unter Wasser, während die Wohnkammer über der Hochwassergrenze liegt und mit einem Luftschacht verbunden ist, Auch ein Fischotter frisst am liebsten das, was er am leichtesten erbeuten kann, daher stellt der größte Teil seines Beutespektrums Fische dar, vorwiegend kleinere Arten, auch geschwächte und langsame Tiere, und so nimmt er eine wichtige Rolle bei der Gesunderhaltung der Fischbestände ein.

 

Aber auch andere Tiere werden von dem Fischotter gejagt: Enten, Blässhühner, Bisamratten, Schermäuse, Kaninchen, Schnecken. Frösche, Flusskrebse und Insekten, gelegentlich auch Aas und Muscheln. Dabei verzehrt er größere Tiere an Land, kleinere im Wasser.  

Die Hauptpaarungszeit der Fischotter liegt zwischen Februar und März, die Männchen gesellen sich während dieser Zeit zu den Weibchen und halten sich auch in der Nähe auf. Der Paarungsakt findet nicht - wie man vermuten könnte – findet der Paarungsakt im Wasser statt, sondern zu Lande. Nach einer Tragzeit des Weibchens zwischen 58und 62Tage werden ein bis vier, bei ihrer Geburt blinde Junge geboren (normalerweise ein Wurf), mit einem Körpergewicht von 80 bis 100 g und einer Körperlänge von selten mehr als 15 cm. Anfangs hilflos krabbeln die kleinen Otter nach 2 Wochen im Bau umher und öffnen ihre Augen frühestens am 31. Lebenstag, und die ersten Schwimmversuche starten sie ab der sechsten Lebenswoche, gesäugt werden sie 8 bis 14 Wochen, bleiben aber weiterhin 14 Monate in der mütterlichen Nähe und lernen während dieser Zeit selbst zu jagen und damit sich selbst zu ernähren. Geschlechtsreif werden männliche Fischotter mit etwa 2 Jahren, weibliche zwischen 18 und 24 Monaten und pflanzen sich durchschnittlich ab dem Alter von zweieinhalb Jahren das erste Mal fort. Dass Fischotter während der Aufzucht von Jungen, beim Spielen oder bei Revierkämpfen, sogar beim Betteln um Futter, unterschiedliche Geräusche von sich geben können, wurde oft schon durch bildgebende Verfahren bewiesen.  

Eigenartig, dass die Otter in menschlicher Obhut bis zu 22 Jahren alt werden können, aber dieses schöne Alter Otter in der freien Natur leider nicht erreichen ; denn nur 15 % der Jungtiere eines Jahres werden älter als 3 Jahre, durchschnittlich erreichen sie ein Alter von 8 – 13 Jahren.

Fast überall in Europa, bis zu den Alpen, ist der Fischotter wieder heimisch, auch in Frankreich, wo er sozusagen ausgestorben war, seit er aber 1973 unter Schutz gestellt wurde, vermehren sich dort wieder die Bestände. Seit 1989 ist der Schweiz ausgestorben.

Auch in Deutschland findet man ihn allerorten, Ausnahmen bilden Rheinland-Pfalz und das Saarland, wo er gänzlich fehlt, obwohl es sich erwiesen hat, dass Fischotter auch bei nicht geschützter Teichwirtschaft nicht die Fischbestände gefährden.

Zwar unterliegen die Fischotter in Deutschland noch dem Jagdgesetz, aber die Jagd auf ihn ist seit 1968 untersagt! Zu diesem Zeitpunkt waren die Bestände der Tiere bereits stark dezimiert und vom Aussterben bedroht. Trotz dieser „Unterschutzstellung“ gingen die Bestände weiterhin stark zurück.

Die Ursache zeigte sich in dem schlechten ökologischen Zustand der Flüsse, mit starkem Rückgang des Fischbestandes, massiv beeinflusst durch Wasserkraftwerke, Klimaerwärmung, Regulierung und Verschmutzung,

Resumée: Der gefährlichste Feind, neben Seeadler, Luchs und Wolf, ist der Mensch, mit seiner Lebensraumzerstörung, Verschmutzung der Gewässer und dadurch bedingter Nahrungsverknappung, Fischreusen und starkem Straßenverkehr.

 

 

 

Als Krafttier hält der Marder den Spiegel vor (auch Wasserspiegel), und sieht das, was man auch immer in seinem Gegenüber erkennen kann: Es ist eine Widerspiegelung des eigenen Selbst. Man sollte sich seiner Vergänglichkeit bewusst werden und worauf es im eigenen Leben am meisten ankommt.