Die letzten ihrer Art

Die Bengal- oder Königstiger (Panthera tigris tigris)

Indiens Nationaltier

„Unsere eigenen Anstrengungen zur Rettung der Naturschätze Indiens konzentrieren sich auf den Tiger. Welch anderes Tier kann so wie er in der Verschmelzung von Eleganz und Stärke unsere Phantasie entflammen; so spektakulär das Unersetzliche symbolisieren! Der Tiger hat unter dem Menschen schwer gelitten. Er wurde gejagt und grausam verfolgt. Sein Lebensraum wurde stark beschnitten. Heute steht er am Rande der Ausrottung.“ Indira Gandhi (1974)
Foto  c)picture-alliance OKAPIA KG
Foto c)picture-alliance OKAPIA KG

Nur noch 2500 Individuen dieser eleganten Tiger-Art in dem leuchtend gold-orange-farbenen Fell leben in den Dschungeln des großen indischen Subkontinents. 1930 bevölkerten noch 40.000 Exemplare Britisch-Indien (auch Bangladesch und Pakistan zählten dazu), jedoch wurden innerhalb von 30 Jahren ca. 30.000 Tiere getötet. Welch ein Verlust!

 

Das Töten von Tigern sowie der Handel und die Ausfuhr von Tigerfellen ist seit 1970 verboten, trotzdem wurde der Tiger weiterhin extrem dezimiert, eine landesweit angeordnete Zählung ergab 1972 einen Bestand von nur 1827 Tieren.
c)panoramio
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Neben dem Namen Bengaltiger, wird der Indische Tiger auch mit dem Namen Königstiger bedacht, der eigentlich aus der englischen Jägersprache entlehnt wurde „royal tiger“, ein Begriff, mit dem besonders stattliche große Exemplare bezeichnet wurden, in expliziter kontrastreicher Färbung des Fells und einer sehr seltenen regelmäßigen, nicht unterbrochenen Streifung, ausersehen als besondere Trophäe, bei der Jagd erlegt. Später wurde der Begriff „Königstiger“ als weiterer Name für alle Bengaltiger verwandt.

Foto c) Francois Savigny, WWF
Foto c) Francois Savigny, WWF
Als Symbol für Schönheit, Eleganz und Kraft zeigt der männliche Tiger eine Länge von 270 bis zu 310 cm, gemessen von der Schnauze bis zur Schwanzspitze, gelegentlich erreichen besonders große Geschöpfe auch 360 cm und bringen ein Gewicht von 180 bis 300 kg auf die Waage. Die weiblichen Tiere sind von geringerer Größe (240 bis 270 cm) und geringerem Gewicht (100 bis 180 kg). Dabei zeigen beide die stattliche Schulterhöhe von 90 bis 100 cm.

 

Das berühmte Fell des Bengaltigers in seinen leuchtenden gold-rot-farbenen Varianten weist des Sommers und des Winters verschiedene Haarlängen auf. So beträgt die Haarlänge im Sommer am Rücken 8 bis 15 mm, am Bauch 20 und 30 mm, am Nacken zeigen die Haare im Sommer eine Länge von 20 bis 66 mm, der Backenbart ist 50 bis 90 mm lang. Im Winter legt sich auch der Königstiger ein längeres Fellkleid zu, die Haarlänge am Rücken beträgt dann etwa zwischen 17 und 25 mm, auch die Backenbart- und Nackenhaare legen eine Länge von 5 bis 10 mm zur sommerlichen Länge zu. Übrigens zeigt der Bauch und das Fell der Bein-Innenseite eine rein weiße Farbe, relativ breite schwarze Querstreifungen ziehen sich vom Kopf über den ganzen Körper bis zur Schwanzspitze, in gleicher Weise gestreift sind sogar die Hinterbeine mit häufiger Verdoppelung der Streifen, besonders lang an den Schenkeln und auf den Seiten. Die besonders breiten Ringe am Schwanz zeigen ebenfalls oft eine Verdoppelung mit einer Anzahl von 8 bis 9 Ringen. 
Die besondere seltene Art des Weißen Tigers findet sich nur beim Königstiger in der Natur, es handelt sich hier um Halb-Albinos (Leuzismus) mit blauen (statt roten) Augen (wie bei den Albinos üblich). Dazu ist anzumerken, dass alle heute in Gefangenschaft lebenden Weißen Tiger, auf den Tigerkater „Mohan“ zurück gehen, der 1951 als Jungtier während einer Jagd von dem Maharaja von Rewa im Dschungel von Bandhavgarh entdeckt wurde. Zwar hielt der Maharaja das Tier gefangen, ließ ihm aber immer – seit Erreichung der Geschlechtsreife - die Möglichkeit,sich fortzupflanzen. So kann man alle Weißen Tiger, die heute in Shows und Zirkussen gezeigt werden als Nachkommen von Mohan und einer seiner Töchter ansehen... 
Foto c) Magnus Johansson
Foto c) Magnus Johansson
Der grundsätzliche Lebensraum des Tigers ist der Dschungel, mit dichter üppiger Vegetation und der Nähe zu Wasser; denn Königstiger lieben das Wasser, sind ausgezeichnete Schwimmer und können bis zu 30 km schwimmend zurück legen.
Acht Kilogramm Fleisch pro Tag benötigt das stattliche Tier, als Hauptnahrung große Säuger wie Sambarhirsche, Gauren, Axishirsche, Nilgauantilopen, Barasingas und Wildschweine, seltener kleinerer Tierarten wie Hasen, Kaninchen, Wasservögel und Affen. Der Tiger tötet leise, schleicht sich an seine Beute heran, springt sie an, drück sie mit seinen kräftigen Vordertatzen zu Boden, wobei die Weite eines Sprungs bis zu 6 m betragen kann. Er tötet mit einem Kehlbiss oder bricht das Genick der Beute mit einem Biss in den Nacken. Rückwärts ziehen Tiger ihre Beute ins Versteck und ernähren sich damit, bis sie aufgezehrt ist und eine neue Beute erjagt werden muss – notfalls tun es aber auch kleine Frösche, kleine Nagetiere oder Aas...
Im Winter und Frühjahr tönen die Lockrufe des Tigerkaters durch die Natur, um eine Tigerkatze zur Paarung anzulocken Sie hat eine Tragzeit zwischen 95 bis knapp über 110 Tage und kann in einem Wurf zwei bis sechs, in den ersten beiden Wochen blinde Jungen zur Welt bringen. Nach frühestens 2 Monaten verlassen Mutter und Junge den gemeinsamen Unterschlupf, in dem sie geboren wurden und dürfen mit auf Entdeckungstour gehen, kaum zu glauben, dass aus diesen tapsigen kleinen Tigerkatzen, die anfangs nur die Größe einer Hauskatze besitzen, einmal die gefürchteten Könige des Dschungels werden. 
Wie alle Wildtiere meiden auch die Königstiger die Menschen, doch die Menschen in Indien benötigen immer mehr Lebensraum in Form landwirtschaftlicher Nutzung wie Viehzucht und Ackerbau, Wälder werden gerodet, den Tigern und seinen Beutetieren die Rückzugsgebiete und Lebensräume genommen. Normalerweise gehören Menschen nicht zu dem Beuteschema der Tiger. Aber immer wieder kommt es zu Angriffen auf Menschen, besonders wenn Tigerjunge geschützt werden müssen. Allerdings haben sich manche Tiger regelrecht zu „Menschenfressern“ spezialisiert, die Gründe sind nicht dafür bekannt, aber vielleicht handelt es sich hier einfach um eine „Geschmacksache“. Sie dringen allerdings nie in menschliche Siedlungen ein, um vorsätzlich menschliche Beute zu machen. Altersbeeinträchtigungen, Krankheit, Verletzungen machen ihn zum Menschenjäger, wenn er aus diesen gravierenden Beeinträchtigungen keine Beute mehr erjagen kann. So tötet er Holzfäller, Bauarbeiter, Honigsammler, die in sein Revier eindringen. In der gebückten Haltung ähneln die Arbeiter Vierbeinern und so einer vermeintlichen Beute des Tigers. Deshalb tragen in manchen Dörfern Indiens Menschen, die das Dorf verlassen eine menschliche Gesichtsmaske auf dem Hinterkopf, da Tiger immer von hinten angreifen. Eine Schutzmaßnahme, die sich mittlerweile bewährt hat. Dass in den riesigen Mangrovenwäldern Sundarbans sich besonders viele Tiger zu Menschenfressern entwickelt haben, liegt wohl an den dort üblichen Flussbestattungen der Toten (eingehüllt in Tücher und Blumen, schwimmen die Leichen einfach auf dem Fluss). Wildschweine, Krokodile und auch Tiger tun sich an diesen verwesenden Leichen gütlich. Es liegt also nicht an einer besonderen vermeintlichen Aggressivität der der dortigen Königstiger, sondern am menschlichen Unverstand für diese Entwicklung. Besonders Wildhonig-Sammler fallen diesen Tigern zum Opfer, jährlich etwa 100 Menschen.
Bis zu 17 Jahren alt können die Königstiger in Freiheit in der Wildnis werden (manche in Gefangenschaft bis zu 20 Jahren). Sie sind größer als Löwen, stark wie Bären und bewegen sich leise wie Federn im Wind, in der Nacht geschmeidig und lautlos bis zu 20 km, aber trotzdem sind sie selbst bedrohte Jäger.
Das Krafttier Tiger weiß, wie wichtig Freiheit und Unabhängigkeit sind, aber auch dass eine primitive Rebellion ohne Sinn und Zweck zu keinem guten Ende führt. Es gilt Aggressionen umzuleiten und der Rebellion einen vernünftigen Sinn zu geben!