Eisvögel (Alcedo atthis)

Fliegende Juwelen

Eisvogel und sein Brutgebiet - die Blies (Fotos c) Avel Krieger) im 29. Biospärenreservat der Unesco
Eisvogel und sein Brutgebiet - die Blies (Fotos c) Avel Krieger) im 29. Biospärenreservat der Unesco

Als sog. Standvögel sind sie in weiten Teilen Europas zu Hause (außerdem in Indien und Hinterindien, als Zugvogel in den weiten Russlands und Teilen Asiens.) Sie bevorzugen gemächlich fließende, klare Gewässer, oder auch von Menschen geschaffene Teiche, Ausgrabungen oder Wassertümpel, von Gehölzen umsäumt, mit Kleinfischbeständen, ohne störende Bootsaufkommen oder andere Wassersportarten.

 

Die wunderschönen blau/türkis- und rot/orangefarbenen gefiederten Wesen, werden wohl mit Fug und Recht als „fliegende Juwelen“ bzw. „fliegende Edelsteine“ genannt, so prächtig schimmert ihr Federkleid, wenn sie sich zum Fische-Jagen in stille klare, wenig bewegte Gewässer stürzen. Kein Wunder, dass die Begeisterung jener, die sie sahen und sogar im Bild festhalten durften, ihnen den phantastischen Beinamen verlieh, jenen Vögeln, deren Name eigentlich Eisvogel (Alcedo atthis) lautet. 

Eisvogel in der Urdenbacher Kämpe c) Bernhard 40
Eisvogel in der Urdenbacher Kämpe c) Bernhard 40

Vielleicht, dass man von einer der Warten erfährt, die den schillernden, ca. 16-18 cm großen Vögeln als Beobachtungsstand für ihre Jagd (Stoßtauchen) nach kleinen Fischen, Wasserinsekten, Kaulquappen und Kleinkrebsen dient und dort mit viel Ausdauer und Geduld einen der prächtigen Vögel beobachten und fotografieren kann, manches Mal bedarf es aber nur eines einzigen „glücklichen Momentes“ in dem er sich zeigt und es erlaubt, ihn für immer in seiner ganzen Farbenpracht in Bild/bzw. Fotografie einzufangen. Welch ein Grün-Blau bzw. Blau-Grün des Gefieders am Oberkopf, auf den dunkler gefärbten Flügeldecken, Schultern sowie dem Schwanz, und wie markant der helle türkisfarbene Streifen zwischen den Flügeln (zeigt sich vornehmlich beim Abflug) ! Azurblaue Querbänder an den Kopffedern, den Flügelspitzen und an den Schwanzfedern vervollständigen das beeindruckende Bild, das betont wird durch eine weiße Kehle und die rostrote bis kastanienbraune Unterseite des Vogels, der im Jahre 2009 zum Vogel des Jahres in Deutschland gekürt worden war. Charakteristisch ist, dass die Kopfzeichnung, durch rotbraune Ohrdecken und weiße Halsseitenstreifen scharf abgegrenzt wird. Weiterhin bezeichnend ein blau-grüner bzw. blauer Bartstreifen, dazu vor jedem Auge auf der Stirn ein kastanienbrauner Fleck, der von vorne gesehen, weiß anmutet. Schwarz ist der Schnabel des männlichen Eisvogels, die Unterseite kann leicht aufgehellt sein. Bei der Dame dagegen fällt ein orangeroter Unterschnabel auf, die Farbe erstreckt sich dabei bis mindestens ins vordere Drittel. Ebenfalls in Rot zeigen sich die Füße zur Brutzeit. Diese prächtige Ausstattung des Gefieders bedeckt einen etwas gedrungenen Körper in etwa Sperlings-Größe (Körpergröße 16-18 cm, Flügelspannweite etwa 25 cm, Gewicht 35 bis 40 g) mit einem kurzen Schwanz. Auch in der Farbgebung des Gefieders zeigen sich zwischen Männchen und Weibchen kleine Unterschiede: Gefieder des Männchens – auf der Oberseite meist ein blauer Grundton mit zahlreichen azurblauen Flecken auf dem Oberkopf; Gefieder des Weibchens – auf der Oberseite eher blau-grün.

Eisvogel c) Jan Henrik Schulze
Eisvogel c) Jan Henrik Schulze

Etwas weniger spektakulär zeigen sich die Jungvögel in eher grünlichem, matterem Gefieder als das der Altvögel, brauner Oberseite der Füße und fast immer grünlichen oder grauen Spitzen der Brustfedern, kurz und schwarz der Schnabel mit einem hellem Fleck an der Spitze.

 

Besonders bemerkenswert: In der Mauser (Ende August bis Mitte November) werden die Schwungfedern in einer festgelegten Reihenfolge abschnittsweise gewechselt, das Besondere daran: Es ist bekannt, dass in Mitteleuropa sich in dieser Zeit etwa nur Dreiviertel der Federn erneuern, die Mauser wird im folgenden Sommer erst fortgesetzt, wogegen bei diesjährigen Jungvögeln in der Jugendmauser sowohl das Kleingefieder als auch öfters die Schwanzfedern gewechselt werden.

Junger Eisvogel c) Zakaria Kälberschütt
Junger Eisvogel c) Zakaria Kälberschütt

Während des Stoßtauchens, der Jagdmethode des Eisvogels, kann er Fische bis zu 9 cm Länge und einer Rückenhöhe von 2 cm erjagen und verschlingen. Die Höchstgrenze von 12 cm Länge wird bei langgestreckten Fischarten erreicht. Von einer passenden Sitzwarte aus – über dem Wasser oder ganz in der Nähe - setzt er den Stoß an, sobald er eine Beute erspäht. Schräg nach vorn, kopfüber stürzt er sich in das Wasser sobald einer Beute sichtet, meistens mit kurzen Flügelschlägen beschleunigend, die Augen – von einer Nickhaut geschützt – bleiben dabei offen. Kurz vor der Oberfläche werden, werden die Flügel angelegt, nach oben gestreckt. Kurz vor Ergreifen der Beute bremst der Vogel unter Wasser mit ausgebreiteten Flügeln und den Beinen, dann steigt er zur Wasseroberfläche zuerst mit dem Nacken auf, den Kopf an die Brust gepresst, letztendlich den Schnabel mit einem Ruck aus dem Wasser reißend. 2 bis 3 Sekunden dauert solch ein Tauchgang und nicht jeder ist erfolgreich. Vielleicht macht er danach eine kurze Pause oder startet gleich zum Rückflug auf die Sitzwarte. Ohne Sitzwarte können Eisvögel auch mit einem Rüttelflug tauchen. Zur Bearbeitung der Beute wird ein dicker Ast benötigt, auch eine starke Wurzel, gelegentlich auch andere, nicht schwingende, unbewegliche Unterlagen, auf denen er die Beute tot schüttelt bzw. auf die Unterlage schlägt und dann mit dem Kopf voraus (damit die Schuppen im Schlund sich nicht sträuben) ganz verschluckt. Kleinere Beute wird im Schnabel zerdrückt, gewendet und verspeist. Nach ein bis zwei Stunden wird Unverdauliches – wie Fischknochen oder Insektenreste – als Gewölle heraus gewürgt.

 

In einer monogamen Brutehe leben die meisten Eisvögel. Allerdings ist es möglich, dass in Jahren hoher Dichte einige Männchen mit zwei Weibchen eine Brutehe eingehen, die – zeitlich überlappend brüten - von einander bis zu mehreren Kilometern entfernt. Sind die Jungen geschlüpft, füttert das Männchen im Wechsel die parallel verlaufenden Bruten. Auch sog. Schachtel-Bruten – ähnlich wie bei den Schleiereulen wurden beobachtet. 

Eisvogel mit Beute c) Hans Martin Kochanek
Eisvogel mit Beute c) Hans Martin Kochanek

Zwischen Februar und März ist an den Gewässern das laute Rufen der streifenden Eisvögel zu hören. Wird ein passender Partner gefunden, finden ausgiebige Verfolgungsflüge knapp über dem Wasserspiegel statt, auch bis über die Baumkronen und inmitten des Waldes. Danach besetzt das Männchen einen möglichen Brutplatz z.B. an einer nach vorne geneigten oder lotrechten Steilwand aus festem Sand oder Lehm, die frei von hinderlichen Wurzeln und trocken ist.

 

Aber zunächst umwirbt das Männchen die kleine Dame und überreicht ihr mit einer artigen Verbeugung einen kleinen Fisch, den sie rufend mit zitternden Flügeln entgegen nimmt. Die Balzfütterung soll die Paarbindung stärken, dient aber gleichzeitig auch zur Beurteilung des Partners. Manches Mal sitzen auch beide Vögel auf einem Ast über einem möglichen Brutplatz, abwechselnd rufend. Nun beginnt man mit dem Bau der Bruthöhle, dabei gibt es zahlreiche Balzfütterungen und gegen Ende finden auch Begattungen statt. Dabei nimmt das Männchen nach der Beuteübergabe eine Imponierstellung ein, mit angelegtem Gefieder aufrecht sitzend, die Flügel nach vorne sinken lassend. Das Weibchen bekundet seine Paarungsbereitschaft durch Rufe, legt sich fast flach auf einen Ast oder eine Wurzel. Das Männchen fliegt von hinten auf die Partnerin, greift mit dem Schnabel in ihre Nackenfedern und hält während der einigen Sekunden dauernden Begattung flügelschlagend das Gleichgewicht. Anschließend wird gemeinsam gebadet. 

Eisvogel im Schwebflug c) Wikipedia
Eisvogel im Schwebflug c) Wikipedia

Nun beginnt man mit dem Bau der Bruthöhle, das Paar sitzt vor der entsprechenden Steilwand bis das Männchen plötzlich losfliegt, im kurzen Rüttelflug vor der ausgesuchten Stelle verharrt und hackt mit dem Schnabel in die Erdwand, dann kehrt es auf den Ausgangspunkt zurück, um sich die Erdreste vom Schnabel zu reiben. Bald beteiligt sich auch das Weibchen an der mühseligen Arbeit, dies geschieht meist im oberen Drittel einer trockenen, unbewachsenen Steilwand aus Lehm. Die Bruthöhle, im Inneren leicht ansteigend, ist 40 bis 80 cm lang, 8 cm hoch, am Ende in eine Kessel mündend, der einen Durchmesser von ca. 17 cm hat, mit einer Höhe von 12 cm. In Sandsteilwänden sind Höhlenlängen bis zu 100 cm möglich! Das Paar wechselt sich nun beim Vergrößern des Loches ab. Nachdem ein Halt für die Krallen entstanden ist, kann mehrmals zugehackt werden, der Partner hält Wache. Erst wenn ein Stück weit ein Tunnel in die Erdwand gegraben wurde, wird die lose Erde rückwärts aus der Röhre gescharrt und erst mit Beginn des Kesselbaus ist es den Vögeln möglich vorwärts, also mit dem Kopf voraus, aus der Röhre zu gelangen. Hindernisse – wie Wurzeln oder Steine – werden mit einer Röhrenkrümmung umgangen oder es wird an anderer Stelle eine vollkommen neue Röhre begonnen. Zwei bis drei Wochen dauert der Bau der Bruthöhle, die fertiggestellte Höhle wird dann mit mehreren Kotspritzern gekennzeichnet. Manches Mal stellt ein Eisvogelpaar auch noch eine andere Bruthöhle fertig oder beginnt mit dem Bau anderer Röhren. Es kommt auch vor, dass Eisvögel die Höhle vom Vorjahr säubern und wieder beziehen oder eine begonnene Röhre fertig bauen.

Ende März bis Anfang April haben die meisten Paare den Bau abgeschlossen, die Höhle bezogen, und die Eiablage beginnt. 

Fortsetzung Tl. 2