Animal hoarding - eine psychische Störung

Der Tierhorter – wenn Tierliebe zur Sucht wird.

 

Es entsetzt – es wirft Fragen auf – wenn wieder von einem Fall des sog. „Animal hoardings“ in den Medien zu sehen, zu hören und zu lesen ist: Ein Fall der krankhaften Sucht des Tiersammelns. Es verschlägt die Sprache zu erfahren, welches Tierelend, welches Leid die vermeintliche „Tierliebe“ verursacht:

 

Tiere werden in Massen auf Dachböden gehalten,

in Kellern – ohne Auslauf, Licht und Luft - -

sogar in PKWs (z.B. 80 Meerschweinchen) -

auf Bauernhöfen -

in manchen ausländischen Tierheimen bis zu 500 Tiere

ohne ausreichende Versorgung (Ernährung,Wasser) -

ohne ärztliche Versorgung -

ohne vorsorgende Kastrationen -

 

ohne Hygiene … u.v.m.

Forschungen ergaben, dass vornehmlich davon betroffen sind

1, Nager (Kaninchen)

 

 

 

 

 

 

 

2. Katzen

 

 

 

 

 

3. Hunde

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Pferde

 

 

 

 

 

 

 

5. Rinder


...aber auch Ziervögel und andere Tierarten fallen ihnen zum Opfer.

 

Die Tierhorter werden oft zu Wiederholungstätern, auch Bestrafung hindert sie nicht vor ihren Verbrechen an den Tieren; sie leiden unter einer Sucht: Einer Form der Angst vor Einsamkeit. Sie erkennen dabei nicht, was für andere offensichtlich ist: Das Leid, das sie verursachen. Sie sehen nicht die unhygienischen Verhältnisse, den Kot, sie sehen nicht die Krankheiten, die ihr mangelndes Verständnis und ihr tierquälerisches Verhalten verursacht. Tiersammler leugnen das Elend ihrer Tiere, sie sammeln oft bis zu 3 verschiedene Arten und sind schnell durch die hohe Anzahl überfordert. Man hat in manchen Fälle sogar tote Tiere unter den gehorteten Lebewesen gefunden, eine große Anzahl war bereits rettungslos erkrankt, so dass sie eingeschläfert werden mussten.

Tiere, die aus Animal hoarding befreit wurden, sind oft derart psychisch gestört, dass nicht mehr vermittelt werden können.

 

Ärzte teilen die Tiersammler in vier Kategorien ein (entnommen aus http://news.doccheck.com/de/295/animal-hoarding-darfs-ein-bisschen-mehr-sein/

 

1.Der übertriebene Pfleger:

 

• versucht, sich um die Tiere zu kümmern
• kann Probleme nicht effektiv lösen
• alles wächst ihm über den Kopf
• Tiere vermehren sich (mehr passiver, nicht so sehr aktiver Sammeltyp)
• introvertiert, sozial isoliert
• spielt die Probleme herunter (aber leugnet sie meist nicht vollständig)
• Tiere haben für ihn einen hohen Stellenwert (sieht Tiere als Menschen)

 

  2.Retter/Befreier:

• Tiere aufnehmen versteht er als Mission
• hat eigene Todesangst und lehnt Euthanasie von Tieren strikt ab
• glaubt, dass er der einzige ist, bei dem es die Tiere gut haben
• starke aktive Sammeltendenz, irgendwann überschreitet die Anzahl der Tiere die Möglichkeiten der Versorgung
• kann kein Tier ablehnen
• vermeidet Autoritäten; Weisungen werden nicht befolgt
• ist nicht unbedingt sozial isoliert

 

3.Züchter:

• schafft sich die Tiere an, mit dem Vorsatz, sie zu züchten, auszustellen und zu verkaufen
• verliert im Laufe der Zeit immer mehr den Überblick über seinen Tierbestand, den er ausschließlich für Ausstellungs- und Verkaufszwecke vermehrt hat
• Tiere vermehren sich weiter; der Verkauf findet nicht oder nur eingeschränkt statt; die Tierbestände wachsen

 

4.Ausbeuter:

• Tiere werden aus eigennützigen Zwecken angeschafft
• Mensch ist egoistisch, oft narzisstisch, hat keine Schuldgefühle oder Mitgefühl (fehlende Empathie)
• Auftreten ist selbstbewusst
• kann Behörden und andere Menschen beeindrucken und lange in die Irre führen (guter Schauspieler)

Mod. nach Deininger, E, Akademie für Tierschutz, Neubiberg, kleintier konkret 2010; 13(2): 26-31

 

Es ist auch bekannt, dass entdeckte Tiersammler, um sich einer Strafverfolgung zu entziehen, einfach in den Bezirk eines anderen Veterinäramtes umziehen, sozusagen flüchten, sie sind sich auch meistens nicht bewusst, dass ihr Verhalten abnorm ist. Ursachen: Süchte und Manien in ihrer ganzen Palette – von den Neurosen, über Psychosen, Borderline, Schizophrenie bis zu Alzheimer und dementiellen Syndromen, aber auch ADHS.

 

Es versteht sich von selbst, dass Veterinärämter versuchen, Tiersammler durch Entzug der Tiere bzw. Begrenzung der Tierzahl, mit Gesprächen und Bußgeldern zur Einsicht zu bewegen. Behandlungen mit Antidepressiva zeitigten nur bei einem Teil der Patienten die erwünschten Erfolge. Deshalb hat die Akademie für Tierschutz u.a. die Forderungen gestellt, dass ein Zentralregister eingerichtet werden müsse, mit der Auflistung aller Tierhalter, die wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz aufgefallen sind. Allen Veterinärämter sollte der Zugriff auf dieses Zentralregister möglich sein. Amtstierärzte sollten bei Verdacht auf „Animal hoarding“ ein Zutrittsrecht haben! Um sowohl Tieren als auch Menschen helfen zu können, sollten Möglichkeiten gegeben werden zu therapeutischen Maßnahmen durch für diese Fälle speziell geschulte Therapeuten.

 

 

„Wer mehr als 100 Tiere besitzt hat möglicherweise ein Problem“ (Zitat Westdeutsche Zeitung)