Goldammer weiblich im Winter  c) Wikipedia Michael Schneider
Goldammer weiblich im Winter c) Wikipedia Michael Schneider

Alle Vögel sind schon da, oder?

4. Die Goldammer

Die Goldammer – Brautwerber im goldenen Brutkleid (Emberiza citrinella)

 

Es sind unverkennbare zirpende, gelegentlich trällernde Töne, die meist von exponierter Stelle, in Hecken, Gehölzen und Büschen offener Landschaften oder Brachflächen schon ab Februar erklingen. Der Vogel, dessen unverwechselbarer Gesang sich in Lautmalereien wie Zrk, Zrk und Zik, Zik, das mit einem langen Düüh endet, präsentiert - die Goldammer, ein in Europa weit verbreiteter Vogel aus der Familie der Ammern - zwitschert oft auch noch als einziger Sänger an heißen Hochsommertagen sein Liedchen, wenn alle anderen Vögel schweigen und nur das Zirpen der Grillen die Stille unterbricht.  

Nicht nur mit besonderen Klängen, die vom Volksmund bezeichnend mit „wie, wie, wie hab ich dich liiieb“ ausgelegt werden, versucht das Goldammermännchen ab April (3 Jahresbruten bis Ende August) ein Weibchen zum Nestbau zu bewegen, es versucht, zu diesem Unterfangen in prächtiger Kleidung zu imponieren, mit zimtfarbenem Bürzel, grau-braunen Flügeln, rötlicher Brust und den Kopf in leuchtendem Gelb mit wenigen dunkelbraunen Streifen, einer annähernden „Gold“farbe, die den etwa sperlingsgroßen Vögeln ihren Namen verlieh. Hat sich eine (weniger auffällig gefärbte) Herzensdame eingefunden, wird sie mit Grashalmen beschenkt, die sie zum gemeinsamen Nestbau anregen sollen. Erklärt sie sich dazu bereit, entsteht ein napfförmiges Gebilde entweder direkt am Boden oder im unteren Gezweig eines Feldgehölzes. Auf drei bis fünf weißen bis bläulichen und bräunlichen Eiern mit auffälligen, Graffiti-ähnlichen, braunen und schwarzen Zeichnungen versieht der weibliche Elternvogel allein das Brutgeschäft in einer Zeit von 11 bis 14 Tagen, gelegentlich vom Männchen am Nest mit Nahrung versorgt. Während der Nestlingszeit (9-14 Tage) nach dem Schlüpfen der kleinen Goldammern werden sie vom Muttervogel „gehudert“, d.h. sie werden von den mütterlichen Flügeln vor allen Witterungseinflüssen geschützt und gewärmt, während der Papa sich um die Nahrungsbeschaffung bemühen muss, die während dieser Zeit vorwiegend aus wirbellosen Spinnen, Schmetterlingslarven, Hautflüglern, Heuschrecken oder sog. Springschwänzen neben unreifen Getreidekörnern besteht und von dem Weibchen an die bettelnden Jungen übergeben wird. Als Erwachsene bevorzugen die Goldammern „vegetarische“ Nahrung aus verschiedenen Samenkörnern. 

Goldammer c) Wikipedia Heiko Groß
Goldammer c) Wikipedia Heiko Groß

Der gesellige Vogel, der sich außerhalb der Brutzeit - in der er sich streng territorial verhält - gern mit anderen vergesellschaftet, streift auch im Winter in größeren Trupps durch die offene Feldmark, in gemeinschaftlicher Suche nach auf den Feldern verbliebenen Samen und Körnern.

Noch kann von einer Bedrohung der Art nicht gesprochen werden, während man aber um 1990 noch von zwei Millionen Goldammern in der deutschen Landschaft ausgehen konnte, zeigt sich nun die Zahl rückläufig. Hoffen wir, dass wir noch lange ihre prächtige Gewandung schauen dürfen, von ihnen die ersten Frühlingslieder des Jahres hören können;

denn „das Zwitschern eines Vogels weckt den Menschen aus seiner Gleichgültigkeit. Er lauscht dem Lied und rühmt die Weisheit dessen, der das süße Lied des Vogels schuf, ebenso wie die zarten Empfindungen des Menschen“ (Khalil Gibran)