Alle Vögel sind schon da, oder?

Die Rauchschwalbe (Hirundo rustica)

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Schlank, mit dem charakteristischen, tief gegabelten, langen Schwanz, dem metallisch glänzenden, blau-schwarzen Rücken und der rahmweißen Unterseite, die Kehle kastanien- bis rotbraun, ganz schwarz umrahmt, ebenso Stirn und Kinn, so zeigt sich die größte der einheimischen Schwalbenarten (19 – 22 cm Körpergröße, 2 – 7 cm davon entfallen auf die gegabelten Schwanzspieße), die einen allmählich schleichenden Bestandsrückgang erlebt; Grund - menschliche Intoleranz. Sie liebt offene Kultur-Landschaften mit Wiesen, Teichen und Bauernhöfen, die reichlich Nahrung (alle Arten von Fluginsekten) bieten und die wichtige Möglichkeit, in Stallungen ihre Nester zu bauen. Leider zeigen sich in den ländlichen Gegenden viele Bauern gegenüber den gefiederten Mitbewohnern, die früher als sog. Glücksbringer sich großer Beliebtheit erfreuten, sehr ungnädig, sie werden vertrieben, ihre Nester zerstört. Während noch in den Fünfzigern die Landwirte mit der Natur lebten, sich mit dem Wohl und Wehe ihrer Tiere befassten und mit der Mitwelt lebten, ist vielerorts dieses Wissen der Profitgier resp. Massentierhaltung gewichen, ein Leben gegen die Natur, da bleibt auch den Rauchschwalben nur noch wenig Raum.

Foto c) Wikipedia
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Verglichen mit der Mehlschwalbe ist der Flug der Rauchschwalbe reißender, mit einer Fluggeschwindigkeit von 10-20 m/s bei 4 -10 Flügelschlägen pro Sekunde (Flügelschlagfrequenz 4,4 pro Sekunde), grundsätzlich in tieferen Luftschichten als die Mehlschwalben und in einem langsameren Tempo als die Mehlschwalbe (Flügelschlagfrequenz 5,3 pro Sekunde). Ihre Nahrung, Fluginsekten aller Art richtet sich nach dem lokalen Angebot mit der Auswahl der Regionen in der Luft, die dem Wetter entsprechend das günstigste Angebot bieten. Es ist durchaus möglich, dass den Bedingungen entsprechend, die Rauchschwalben unter den Mehlschwalben jagen.

 

Zwar macht nach dem alten Sprichwort „eine Schwalbe noch keinen Sommer“ und ihre Ankunft im April bedeutet auch nicht, dass es keinen Frost mehr gibt, aber sie zeigt, dass wir geduldig darauf hoffen dürfen, dass die warme Jahreszeit mit Sicherheit nicht mehr lange auf sich warten lässt. Die Rauchschwalben bleiben bis Ende September anfangs Oktober in ihren Brutgebieten, die in ganz Europa, Nordwest-Afrika, in den gemäßigten Gebieten Nordamerikas und Asiens liegen, die Europäer unter ihnen überwintern in Mittel- und Südafrika.  

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Mit einem leuchtenden Federkleid, besonders de. Rötlich-kastanienbraunen Federn um die Kehle umwirbt das paarungswillige Männchen die Angebetete, um so leuchtender die Farben, desto erfolgversprechender die Bemühungen. Und es bleibt nicht bei der ersten Werbung, immer wieder müssen die Männchen – auch bei einer dauerhaften Bindung - die Partnerin auf's Neue beeindrucken, es scheint so, dass die Damen vor jeder Brutsaison die Qualitäten des Partners neu bewerten. Macht der bisherige Partner im Vergleich zu einem anderen keine gute Figur, legen sie ihm wesentlich mehr Eier eines fremden Männchens ins Nest (also Kuckuckseier) als üblich (Rauchschwalbendamen pflegen auch Umgang mit anderen Partnern), d. h. weibliche Rauchschwalben beobachten das Erscheinungsbild ihres Partners genau und registrieren jede Veränderung, für sie ist das Paarungsspiel nie beendet.  

Wikipedia c) Frank Liebig
Wikipedia c) Frank Liebig

Zur Brut und zur Aufzucht der Nachkommenschaft bauen die Rauchschwalben halbschalenförmige Nester aus Schlammklümpchen und Stroh (die immer wieder benutzt werden) auf Mauervorsprünge und Balken, an Wände in Ställen und Scheunen oder anderen offenen Innenräumen. In früheren Jahrhunderten konnten sie durch die Öffnungen in den Giebeln, durch die oft der Rauch der Herdfeuer abzog (daher der Name Rauchschwalbe) ein- und ausfliegen. Den exzellenten Fliegern reicht aber auch zum Verlassen des Raumes ein gekipptes Fenster. Zwei- bis dreimal im Brutjahr legt das Weibchen vier bis fünf weiße, braunrot gefleckte Eier, die es 14 bis 17 Tage bebrütet. Beide Eltern füttern die Nestlinge nach dem Schlüpfen noch 20 bis 22 Tage und dann verlassen die Jungen auch erstmals das Nest. Dass sich die älteren Jungen beim Füttern der nächsten Brut beteiligen ist ein sehr interessantes Faktum.

 

 

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In der Mythologie symbolisieren die eleganten Hoffnungsträger, dass dort, wo sie nisten, das Glück einkehrt und wer ihnen begegnet, zu dem kehrt das Glück wieder zurück. So wie diese Schwalbe als Krafttier schnell, vorausschauend und geschickt handelt, so wird dem, der ihr begegnet, die gleiche Fähigkeit zuteil, damit Probleme blitzschnell erkannt und ihnen begegnet werden kann,ungute Stimmungen, Veränderungen wahrnehmen, sich davor zurückziehen und dann auch wieder frei in die Lüfte schwingen, wenn die Stürme (des Lebens) vorüber gezogen sind und einer neuen Zukunft entgegen fliegen. Es gibt auch die Möglichkeit, neue Kreise über dem Leben zu ziehen und alles aus einer neuen Perspektive zu betrachten, nicht nur mit Glück, sondern auch mit Zuversicht, Optimismus und Schnelligkeit.