Komm unter meine Decke

Eine wahre Fledermausgeschichte u.v.m.

Beispielsfoto
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Einige Jahre ist es schon her, mein kleines Erlebnis, etwa 35 an der Zahl, in dem damals angemieteten, über 200 Jahre alten Bauernhaus in einer dörflichen Gemeinschaft, das mit einigen Merkwürdigkeiten aufwartete, vielleicht des hohen Alters geschuldet. Manches blieb ungeklärt, anderes klärte sich ganz natürlich auf. Dass es in unser Bad regnete, während eines Gewittergusses, war ganz natürlich zu erklären, obwohl wir die Toilette mit einem Regenschirm benutzen mussten, denn der Zimmermann, der das Scheunendach und den Stall neu eindecken wollte, hatte übersehen, dass das Bad in den ehemaligen Stall hineingebaut und nur mit einer wasserdurchlässigen Löschdecke versehen war. So streckte sich das alte Gebälk – es sollte durch ein neues ersetzt werden – bar jeden Schutzes wie ein Gerippe in den Himmel, gnadenlos prasselte der Regen herab. Aber mit dem Ende des Gewitters war es auch vorbei mit der „Gnade“ einer vollkommen kostenlosen Naturdusche.  

Natürlich zu erklären war es auch, dass eine fremde Katze uns „heimgesucht“ hatte, ein total ausgehungertes armes Wesen. Wir nannten sie „Paula“, weil sie so mager wie „Paulchen Panter“ war. Wir fütterten sie mit Katzenfutter, sie fing zum Dank Mäuse...bis … ja bis ein Raser mit seinem Auto die Katze auf der Straße überfuhr, sie schleppte sich noch in den Hof – und ging schnell über die Regenbogenbrücke.. Sie hatte die Straße nach einem Besuch bei der Afghanenhündin der Bäckerei vis-à-vis überquert, die Bäckersleute wollten gerade wegen einiger Besorgungen mit dem Auto ihr Gelände verlassen, der Raser ließ sie beim Hinausfahren innehalten.Die Hündin sah was mit ihrer Freundin geschah und zerfetzte in ihrem Schmerz die ganze Innenauskleidung des neuen Wagens und war nicht mehr zu beruhigen.

Merkwürdiger und unerklärlicher bis heute war die Tatsache, dass oft Schritte auf der Treppe zu hören waren, ein Schlüsselbund klirrte, so dass ich annehmen musste, dass der abwesende Ehemann nach Hause käme. Aber oftmals hatte niemand das Haus betreten, trotz der Geräusche. Eine Bekannte, die das Gleiche erlebte, als sie zu Besuch weilte, verließ erschrocken und fluchtartig das Haus und schwor, es niemals mehr zu betreten. Sie hielt den Schwur.

 

 

Beispielsfoto
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Noch ungewöhnlicher war die Begegnung mit einer Dame in einer Frisur der 20er-Jahre, dem sog. „Garconne-Schnitt“, in einem schwarzen langen Kleid mit Spitzenkragen, im Hausflur am Fuße der Treppe stehend, die in den oberen Stock führte, die mich unverwandt anschaute. Ehe ich sie fragen konnte, wie sie in das Haus gelangt sei, war sie wie ein Schemen verschwunden. Ich erzählte der Hausbesitzerin, die in ihrem Haus nebenan wohnte, von diesem Erlebnis. Sie ließ sich die Frau beschreiben, kramte in ihren Fotoalben und zeigte mir einige Bilder und – da sah ich die Frau: Sie war die an einer Nierenkrankheit verstorbene Mutter der Hausbesitzerin. Dass ich in der Folge an einer Pyelonephritis erkrankte und das Bett hüten musste, war sicher nur ein Zufall!   

Trotz aller Merkwürdigkeiten lebten wir gerne in diesem Haus, besonders wenn der Wind die Waldorgel auf den Hügeln über dem Ort bewegte, das war ein Brausen, gleich der Orgel eines Domes und deshalb, auch der kühlen Nachtluft mit ihrer Sättigung durch Feuchte und den Duft nach Moosen und Pilzen wegen, blieb das Schlafzimmerfenster nachts geöffnet, selbst im Oktober. Und dann – ich erwachte in der Nacht und spürte wie etwas leise über meinen Rücken strich. Ich wendete den Kopf, aber mein Mann schlief, er hatte sich keinen Scherz erlaubt! Doch es kroch unentwegt weiter über meinen Rücken, langsam beschlich mich ein unangenehmes Gefühl. Es kroch weiter, kroch in die Haare – vorsichtig fühlte ich, nach dem Ding, das in meine Haare gekrochen war...Es war weich und pelzig, etwa eine Maus? Ich hatte nichts gegen derartige Nager, aber bitte nicht in meinen Haaren. Ich schrie was das Zeug hielt, sprang aus dem Bett, schüttelte den Kopf, wühlte in den Haaren...Mein Mann sprang ebenfalls total verwirrt aus dem Bett. Und da flog die „Maus“ davon ins Freie mit hohen „Sonartönen“... Arme kleine Fledermaus, was hast du mich erschreckt und ich dich auch....Es tut mir leid, kleiner Fledi – du hattest dich nur verirrt...Vielleicht warst du ein Zwergi (ca. 4,5 cm Größe, Spannweite bis 25 cm und Gewicht von 3,5 bis 7 g), die Kleinste unter den Fledermausarten, die in der Nacht tausende kleine Stechmücken frisst. Du hast sie wohl verfolgt und bist ins Schlafzimmer gelangt. War es gemütlich unter meiner Decke, du schützenswerter kleiner Mitbewohner?

Allerdings wäre es möglich, dass diese kleine Fledermaus, die einfach nicht kopfüber in der Scheune hängen, sondern unter meiner Decke ruhen wollte, sich mir als Krafttier gezeigt hat mit einem speziellen Hinweis. Vielleicht hat sie sich lautlos in mein Leben begeben, um mich zu unterstützen, von allem Krankmachenden zu befreien, meine Intuition zu stärken auf mein Inneres zu hören. Ich habe gelernt, hellhörig zu werden und auf die menschlichen Zwischentöne und die der Natur zu achten. Mein Leben ist seit dieser Zeit um einiges bereichert, wie jedes Tier, das in unser Leben tritt, unser Leben zum Besseren verändern kann. C) E. Gelzleichter Juli 2020